Wie das Handwerk es schafft, sich zu digitalisieren

14. März 2017

Die Digitalisierung hält zunehmend auch in traditionellen Branchen Einzug – so wird allmählich auch das Handwerk digital. Der Wille zur Digitalen Transformation ist bei vielen Betrieben längst da, nur an der Umsetzung scheitert es oftmals noch, wie auch eine Studie des Digitalverbandes Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) zeigt. CANCOM.info fasst die wichtigsten Fakten der Studie zusammen.

Wie können Handwerksbetriebe von der Digitalisierung profitieren? Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen: Ein Dachdecker plant ein neues Dach zu verlegen. Dafür vermisst er das Dach mit einem 3D-Scanner aus, um die exakte Menge an benötigten Ziegeln berechnen zu können. Diese lässt er mittels Warenwirtschaftssystem zum richtigen Zeitpunkt zum Haus des Kunden liefern. So wird nicht nur viel Zeit gespart, sondern auch Kosten, die andernfalls durch Lagerbestände oder große Restmengen anfallen würden.

Das Beispiel zeigt: Digitale Technologien und Software-Lösungen können auch in traditionellen Branchen wie dem Handwerk von großem Nutzen sein. Laut Bitkom-Studie sind vier von fünf Handwerksbetrieben auch aufgeschlossen gegenüber der Digitalisierung im eigenen Betrieb.

Große Chancen für das Handwerk

Die Handwerker sehen die Möglichkeit, durch den Einsatz digitaler Lösungen viele Prozesse im Arbeitsalltag zu vereinfachen. So geben rund 90 Prozent der für die Studie befragten Handwerksbetriebe an, dass die Digitalisierung vor allem Lagerung und Verteilung von Betriebsmitteln optimieren könne. Vier von fünf Unternehmen nennen die Zeitersparnis als wichtigsten Vorteil, fast ebenso viele eine flexiblere Arbeitsorganisation.

Die Chancen, die die Digitalisierung verspricht, sind in der Branche also weithin bekannt – dennoch werden digitale Technologien bisher selten eingesetzt. Zwar verfügen mittlerweile fast alle Handwerksbetriebe über eine eigene Homepage oder Einträge in Online-Verzeichnissen, doch die Verbreitung anderer digitaler Lösungen lässt noch zu wünschen übrig.

Insgesamt setzt nur ein Viertel der Handwerksbetriebe digitale Technologien ein. (Quelle: Bitkom Research)

 

Wie die Grafik zeigt, nutzt aktuell nur etwa jedes zehnte Unternehmen 3D-Drucker und -Scanner oder Trackingsysteme, mit denen Lagerbestände ermittelt oder Lieferwege verfolgt werden können. Der Einsatz von Drohnen oder Robotern im Arbeitsalltag ist bei den befragten Betrieben noch kaum verbreitet.

Software-Lösungen besonders für kleine Betriebe sinnvoll

Da vor allem auch organisatorische Angelegenheiten viel Zeit in Anspruch nehmen, können digitale Lösungen hier Abhilfe schaffen. „Besonders für kleine Handwerksbetriebe sind Büro-, Verwaltungs- und Planungsarbeiten echte Zeitfresser. Software-Lösungen können die Organisation eines Betriebs enorm vereinfachen“, sagt auch ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte.

Mehr als die Hälfte der Handwerksbetriebe hat daher zumindest in Teilen schon Büro- und Verwaltungsarbeiten digitalisiert und nutzt dafür spezielle Software: Verträge werden digital auf dem Smartphone vom Kunden unterschrieben, Rechnungen werden per Email verschickt. Auch Aufträge werden bereits in knapp der Hälfte aller befragten Betriebe in Systemen zum Management der Kundenbeziehungen (CRM) digital erfasst und archiviert.

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Digitalisierung im Handwerk immer noch eine Herausforderung

Auch wenn die Befragung zeigt, dass Bemühungen zur Digitalisierung des Handwerks bereits existieren, sieht mehr als jeder zweite Betrieb darin immer noch eine große Herausforderung – knapp ein Drittel gibt sogar an, echte Probleme damit zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen. „Die Digitalisierung ist für viele Unternehmen schwer zu durchblicken“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Deshalb ist Unterstützung von außen extrem wichtig. In vielen Betrieben scheint laut Studie ein Mangel an Mitarbeitern mit ausreichender Digitalkompetenz vorzuliegen. Hier muss in Zukunft das Ziel sein, digitale Aspekte verstärkt in Aus- und Weiterbildungen zu integrieren – damit das Handwerk für die digitale Zukunft gerüstet ist.

Quelle Titelbild:  izusek / iStock

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