27. November 2013 | pArtikel drucken | kKommentieren
Das neue Betriebssystem geht in die Offensive

Tizen OS: acht Fakten die Sie wissen müssen

Tizen hat seinen Förderkreis massiv erweitert: Neben der bisherigen Federführung von Samsung und Intel sind nun 36 weitere Unternehmen mit an Bord, die kräftig mitentwickeln. Darunter sogar Big-Player wie Ebay und Nokia. Doch was ist das Besondere an dem neuen Betriebssystem? CANCOM.info hat die wichtigsten Fakten rund um Tizen für Sie zusammengestellt.

Was ist Tizen?

Tizen ist ein neues geräteunabhängiges Betriebssystem – Open-Source und auf Linux-Basis. Primär wird es für Smartphones entwickelt. Es lässt sich aber auch auf Tablets, in Fahrzeugsystemen und Smart TVs einsetzen.

Wer steckt hinter Tizen?

Die Koordination wurde bisher von Samsung und Intel übernommen. Seit diesem Monat hat die Tizen Association 36 neue Partner aufgenommen, darunter McAfee, Panasonic, eBay, Nokia, Weather Channel oder NTT DoCoMo.

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Die Liste der federführenden Unternehmen bei der Tizen Association. Quelle: tizenassociation.org

Die Japaner sind nicht die einzige Telefongesellschaft in der Tizen Association: Vodafone, SK Telecom oder Orange sind auch mit von der Partie. Zudem herrscht eine enge Zusammenarbeit mit der Linux Foundation.


Was ist der Zweck von Tizen?

Tizen ist ein Betriebssystem, das sich nach den eigenen Wünschen skalieren lässt. Das ist z. B. für Telekommunikationsanbieter besonders interessant, denn sie können ihren verlorenen Vertriebskanal wieder aufnehmen: Das Geschäft mit hauseigenen Services. Mit Apple und Google war damit Schluss.

Welche Vorteile bringt Tizen?

Ryoichi Sugimura NTT DoCoMo CEATEC JAPAN 2013 TIZEN Indonesia

Ryoichi Sugimura NTT DoCoMo Quelle: tizenblog.com

„Tizen-Partner müssen keine neuen Features beantragen oder bewerben. Sie können das Betriebssystem den Anforderungen des Endverbrauchers selbst anpassen. Funktionen und Dienste können so perfekt auf den Gerätetyp, den Standort des Kunden und die beliebtesten Anwendungsfälle für das Gerät angeglichen werden.

Durch die Demokratisierung dieses Teils des Produktmanagements treibt Tizen Innovation und Wettbewerb in der Industrie voran“, sagt Ryoichi Sugimura, Vorstandsmitglied des Telefonproviders NTT DoCoMo.

Welche Nachteile bringt Tizen?

Tizen besitzt ein kompliziertes Lizenzmodell. Es bezeichnet sich zwar als Open-Source-Projekt, allerdings wurde das SDK unter einer proprietären Samsung-Lizenz veröffentlicht. Ohne SDK, keine Tizen Entwicklung, denn das Entwicklungsframework wird aktuell noch benötigt, um Tizen Apps entwickeln zu können. Damit hat sich Samsung die alleinige Entscheidungsmacht über das Bestehen von Tizen gesichert. In der Lizenzvereinbarung des Tizen SDK’s heißt es wie folgt:

Samsung may terminate this Agreement (i) at any time for any or no reason upon 30 days prior written notice to you.

Welche Strategie verfolgt Tizen?

Tizen soll auf verschiedenen Geräten laufen. Dafür hat man von Anfang an auf Skalierbarkeit geachtet. Auf diese Weise können High– und Low-End-Geräte versorgt werden.

Die Low-End-Version heißt Tizen Lite und läuft auch auf Geräten mit 256 MByte RAM und 512 MByte ROM. Unterstützt werden Displays mit HVGA (480 × 320 Pixel) und QVGA (320 × 240 Pixel). Geräte, die in der Unter-100-Euro-Preisklasse liegen, können also auch von Tizen profitieren.

Das erste Tablet mit Tizen

Das erste Tablet mit Tizen. Bild: Systena

Im High-End-Bereich wird aktuell Tizen auf einem Tablet von Systena getestet. Das Tablet hat einen 1,4 GHz schnellen Quad-Core-Cortex-A9-Chip, 2 GByte RAM sowie ein Display, das mit 1920 × 1200 Bildpunkten auflöst. Dieses Gerät richtet sich allerdings erst einmal nur an Entwickler von Apps.

Welche Chancen hat Tizen?

Einer der riesen Vorteile von Tizen ist – neben der Flexibilität – die Geräteunabhängigkeit. Zwar wird das Betriebssystem primär für den Smartphone Markt entwickelt, aber es lässt sich beispielsweise auch auf Tablets, smart TVs oder Fahrzeugsystemen einsetzen.

Angesichts der rasanten Entwicklung im M2M-Bereich schlägt Tizen mit seiner Strategie eine goldrichtige Richtung ein. Prozesse können in allen Branchen durch M2M-Lösungen rationalisiert und zu Produktivitätssteigungen führen. Im Consumer-Bereich geht die Nutzung eines Personal Computers immer weiter zurück. Auch hier wird das „Internet der Dinge“ immer wichtiger.

Dennoch: Die Verbreitung von Tizen in der Smartphone-Welt steht und fällt mit der Anzahl von Apps, die das System unterstützt. Dafür müssen zunächst die Entwickler von der Plattform überzeugt werden. Samsung und Intel haben dafür einen Entwicklerwettbewerb für Tizen-Apps gestartet, bei dem sie den Gewinnern Preise im Wert von 4,04 Millionen Dollar versprochen haben.

Bis Tizen sich mit einem Google Play Store oder dem Appstore messen kann, wird vermutlich noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin will Samsung Android und Tizen auf seinen Geräten koexistieren lassen.

Wann kommt Tizen zum Einsatz?

Seit diesem Monat ist die Systemkamera Samsung NX300M in Korea mit dem neuen Betriebssystem erhältlich. Die ersten mit Tizen ausgerüsteten Smartphones und Tablets werden zum Mobile World Congress 2014 erwartet. Hier soll Samsung auch einen Kühlschrank mit dem Betriebssystem vorstellen.

Tizen läuft auf Kühlschrank

Samsung wird auf dem Mobile World Congress einen Kühlschrank mit Tizen vorstellen. Bild: tizenblog.de

Bild: Tizen.org

Hier schreibt Alexander Hoffmann für Sie

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