19. Mai 2014 | pArtikel drucken | kKommentieren
Warum Unternehmen sich stärker öffnen müssen

Wie geht eigentlich Industrie 4.0?


Wie alle großen Ideen ist das Konzept der Industrie 4.0 im Grunde ganz einfach: Im Kern geht es darum, sämtliche prozessrelevanten Informationen für alle Beteiligten im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk in Echtzeit verfügbar zu machen.

Damit lassen sich globale Geschäfte schneller und wirtschaftlicher realisieren und gleichzeitig die wertvollen Ressourcen effizienter nutzen. Darüber hinaus ergeben sich durch die wachsende Zahl intelligenter, vernetzter Produkte Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle im Dienstleistungs- und Service-Bereich.

Alles in Daten verwandelt: Industrie 4.0 bringt Menschen, Maschnen und Arbeitsprozesse näher zusammen.

Das kann beispielsweise so aussehen, dass eine Maschine den nächsten Wartungstermin automatisch mit dem Hersteller oder einem speziellen Service-Unternehmen vereinbart und dabei nicht nur die Verschleißdaten von den Sensoren innerhalb des Produkts, sondern auch die Fahrtrouten der Servicetechniker und die anstehenden Aufträge berücksichtigt, um den besten Termin für eine möglichst kostengünstige Wartung zu finden.

Mit Szenarien wie diesem argumentieren die zahlreichen Befürworter dieser neuen industriellen Revolution. Doch wie sieht es in der Realität aus? Wie weit sind die deutschen Unternehmen schon auf dem Weg zur Industrie 4.0? Und was können und müssen Firmen tun, die von dieser Entwicklung profitieren wollen?

Ohne IT geht nichts…

Experten verweisen bei der Beantwortung dieser Fragen zumeist auf die Größe der Herausforderung und geben zu: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Doch in einigen Unternehmensbereichen und Branchen sind die zunehmende Beschleunigung und Vernetzung der Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 bereits deutlich sicht- und spürbar.

Und dabei wird klar: Ohne IT geht nichts in der Industrie 4.0. Das wohl bekannteste Beispiel dafür liefert die Logistik: Durch den Einsatz von RFID-Chips, die sowohl Produktionsmittel wie Paletten und Behälter als auch Produkte identifizieren und mit Informationen versehen, wird hier bereits in vielen Fällen die Kontrolle und Steuerung von Abläufen automatisiert.

Auch die Produktion ist vielerorts bereits auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0: Manufacturing Execution Systems (MES) erfassen und analysieren hier in Echtzeit Maschinendaten. Auch hier ist es also die IT, mit deren Hilfe Entscheider bereits heute Durchlaufzeiten und Auslastung deutlich verbessern.

Dennoch ist die IT zwar ein wichtiger Treiber der Industrie 4.0, aber nicht die Lösung aller Probleme. Denn die neue Form des Wirtschaftens in Echtzeit verlangt von den Unternehmen die Fähigkeit und die Bereitschaft, Informationen miteinander zu teilen.

Dazu ist neben neuen, einheitlichen technologische Plattformen und Standards vor allem eine neue Kultur der Verständigung und des Vertrauens erforderlich.

… aber IT ist nicht alles

Experten wie Professor Dr. Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer IPA verweisen in diesem Zusammenhang gern auf die rund 5.000 Lieferanten, die sich auf alle Ebenen der Wertschöpfung verteilen. Heute arbeiten diese Firmen in der Regel auf Basis eines monatlichen einen Forecasts und wöchentlich aktualisierter Bestellungen.

Unter diesen Bedingungen stets lieferfähig zu sein, erfordert Sicherheitsbestände. Heute machen diese Reserven zwischen einem Drittel und der Hälfte des Gesamtbestands aus. Wären alle Zulieferer jederzeit in Echtzeit über den tatsächlichen Bedarf informiert, könnte das in den Sicherheitsbeständen gebundene Kapital in dreistelliger Millionenhöhe eingespart werden.

Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft aller, ihre Informationen miteinander zu teilen und sich am Aufbau der dafür nötigen Infrastruktur zu beteiligen. Neue Vergütungsmodelle im Geschäftsverkehr gehören deshalb ebenso zu den Herausforderungen der Industrie 4.0 wie die Entwicklung neuer Technologien.

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Übersicht dieses Artikels:
  1. SEITE 1: Wie geht eigentlich Industrie 4.0?
  2. SEITE 2: Großer Nutzen durch große Datenberge

Hier schreibt Uwe Küll für Sie

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