19. September 2014 | pArtikel drucken | kKommentieren

Der Einkauf ist nicht fit für Industrie 4.0

Der Einkauf muss seinen Fokus stärker auf die digitale Wertschöpfung ausrichten. Denn mit Industrie 4.0 steigt der IT-Anteil in Produktion und Erzeugnissen exponentiell, so dass Informationen und Analysemethoden vermehrt die zu beschaffenden und strategisch abzusichernden Rohstoffe sein werden. Nur wenige Einkaufsorganisationen sind hierauf vorbereitet.

Die meisten Industrie-, aber auch viele Dienstleistungsunternehmen, haben inzwischen Industrie-4.0-Projekte und -Initiativen gestartet. Der Einkauf ist aber nur selten involviert.

Bei früheren Trends, wie etwa Globalisierung oder Compliance Management, übernahm der Einkauf oft eine Vorreiterrolle; nicht so bei Industrie 4.0. Nach Überzeugung von Felix Theisinger, Partner beim Management-Beratungsunternehmen Detecon, ist Industrie 4.0 jedoch von höchster strategischer Relevanz für den Einkauf.

Allianzen sind nötig

Die sich bietenden Chancen zur strategischen Gestaltung und zur Generierung von Wertbeiträgen seien immens. Einkaufsorganisationen, die sich nur auf die klassischen Beschaffungsaufgaben beschränken und nicht an strategischen Zukunftsprojekten wie Industrie 4.0 beteiligen, drohe die Marginalisierung.

Mit Industrie 4.0 verstärke sich der Trend, äußerst kundenindividuelle Lösungen inklusive Mehrwertdienste anzubieten. Um derartige Managed Services erbringen zu können, müssten Unternehmen strategische Partnerschaften und Allianzen schließen.

F. Theisinger

Felix Theisinger, Partner beim Management-Beratungsunternehmen Detecon.

Dabei sei insbesondere auf die eigene Positionierung in der physischen und digitalen Wertschöpfungskette zu achten: „Der Einkauf ist gefordert und prädestiniert, die Führungsrolle bei der Gestaltung dieser Partnerschaften zu übernehmen“, sagt Theisinger.

Angesichts des Paradigmenwechsels von Industrie 4.0 seien auch einige Global-Sourcing-Entscheidungen neu zu überdenken. „Beispielsweise lassen sich zukünftig mit immer leistungsfähigeren 3D-Druckern Ersatzteile und Werkzeuge im Bedarfsfall auch drucken, statt sie zu beschaffen und zu bevorraten.“

Außerdem verliere bei einer hochautomatisierten Fertigung das Argument der Lohnkostenvorteile an Gewicht, so dass Global Sourcing weniger attraktiv werde. Einkaufsleiter seien in der Pflicht, die strategischen Treiber von Industrie 4.0 zu untersuchen und in der Einkaufsstrategie zu verankern.

Neben vielen inhaltlichen Fragen sei auch zu bewerten, welche neuen Fähigkeiten der Einkauf entwickeln müsse, um den Herausforderungen der vierten industriellen Revolution gewachsen zu sein.

Hier schreibt CANCOM.info Redaktion für Sie

Mehr Artikel vom Autor

Lesen Sie weiter auf CANCOM.info