23. September 2014 | pArtikel drucken | kKommentieren
IDC-Studie „Hybrid Cloud in Deutschland 2014“

Hybrid Cloud: Der Bedarf steigt

Trotz des NSA-Skandals setzen immer mehr deutsche Unternehmen Cloud-Services ein. Dadurch steigt auch der Bedarf an hybriden Cloud-Umgebungen weiter an, sprich der Verknüpfung dieser Services mit der bestehenden IT-Umgebung.

Das zeigt die IDC-Studie „Hybrid Cloud in Deutschland 2014“. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Kosteneinsparungen und der Wunsch, die eigenen Geschäftsprozesse agiler zu gestalten.

Inzwischen nutzt oder implementiert der Analyse zufolge fast die Hälfte (45 Prozent) der deutschen Unternehmen Cloud Services, weitere 36 Prozent befinden sich in der Planungsphase oder beschäftigen sich mit der Thematik.

Die Palette der Cloud-Anwendungen reicht dabei von Backup as a Service, über Collaboration-Tools und CRM-Systeme bis hin zum temporären Bezug von zusätzlicher Rechenleistung für besonders aufwändige Workloads (Scaling).

Dabei sind Private Cloud-Umgebungen mit 66 Prozent aktuell noch die mit Abstand bevorzugte Cloud-Variante, 35 Prozent nutzen eine Hosted Private Cloud oder beziehen Lösungen aus der Public Cloud (24 Prozent). Diese verschiedenen Sourcing-Modelle müssen die Unternehmen mit ihrer herkömmlichen IT-Umgebung zu einer Hybrid Cloud verknüpfen.

Hybride Cloud-Umgebungen werden in den kommenden zwei Jahren Realität. (Quelle: IDC)

Aktuell verbinden der Studie zufolge nur 15 Prozent der befragten IT-Entscheider eine oder mehrere dieser Cloud-Services auch mit ihrer herkömmlichen IT-Umgebung zu einer Hybrid Cloud. Der Bedarf für diese hybriden Cloud-Umgebungen wird aber zunehmend steigen, da auch die Cloud-Nutzung weiter wächst.

Die Befragung ergab, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent) der IT-Entscheider vor allem aus mittelständischen Unternehmen in den kommenden 12 bis 24 Monate den Aufbau hybrider Cloud-Umgebungen plant. Die entsprechenden Projekte werden in 80 Prozent der befragten Unternehmen von der IT-Abteilung angestoßen; doch auch hier ergreifen die Fachbereiche zunehmend die Initiative.

Hybrid Cloud: Geschäftsprozesse werden agiler

Wichtigstes Motiv für den Aufbau von hybriden IT-Umgebungen ist angesichts des gestiegenen Budget-Drucks die Senkung von Kosten (51 Prozent). Auch schnellere Geschäftsabläufe (40 Prozent) und die kürzere Reaktionszeit auf neue Anforderungen des Managements (37 Prozent) zählen zu den wichtigsten Gründen für die Hybrid Cloud.

IDC_Matthias Kraus

Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC

„Wenn durch den Aufbau einer hybriden Cloud-Umgebung die unterschiedlichen Applikationen miteinander verknüpft und Daten automatisch ausgetauscht werden, können Geschäftsprozesse schneller gestaltet werden. Außerdem kann zusätzliche Rechenleistung, etwa bei stark saisonabhängigem Geschäft, kurzfristig genutzt werden. Workloads werden dabei regelbasiert und automatisch in externe Infrastructure-as-a-Service verschoben. Damit wird die IT agiler“, erläutert Projektleiter Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt. Für über ein Drittel der IT-Entscheider ist zudem die Sicherheit und Kontrolle über die Daten ein wichtiger Grund für hybride Cloud-Umgebungen.

Andererseits stellen Sicherheitsbedenken (65 Prozent) bei der Verwirklichung von hybriden Cloud-Umgebungen auch die größte Herausforderung für die befragten Unternehmen dar. Bei der Wahl von externen Cloud Services (Hosted oder Public) legen die IT-Verantwortlichen deshalb besonderen Wert darauf, dass die Anbieter ihre Rechenzentren in Deutschland betreiben (50 Prozent), Verträge nach deutschem Recht (48 Prozent) abgeschlossen und Daten bei der Übertragung verschlüsselt (44 Prozent) werden. Auch fordern die IT-Entscheider Zertifikate (35 Prozent), anhand derer die Einhaltung der Datenschutzgesetze nachgewiesen wird.

Interne Herausforderungen

Anpassungen auf IT- und Geschäftsprozess-Ebene sind erforderlich. (Quelle: IDC)

 

Unternehmensintern muss die IT-Abteilung selbst Vorarbeit leisten, um die Komplexität der hybriden IT-Umgebung zu reduzieren und die On-Premise-Umgebung mit den Cloud Services zu integrieren. Dazu gehören aufwändige IT-Anpassungen etwa bei Architektur, Sicherheit, Performance, Management, SLAs, Monitoring und Reporting.

Als größte Hürde beurteilten die IT-Entscheider die Anpassung der Geschäftsprozesse (36 Prozent), da die Rollen und Service Level der Betriebsabläufe den neuen Möglichkeiten folgen müssen. Hier ist die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachabteilungen notwendig.

Fernziel Software Defined Datacenter

Beim Management der hybriden IT-Umgebung sollte die IT-Abteilung die vollständige Kontrolle über Verfügbarkeit, Zugriff und Monitoring der unterschiedlichen SLAs besitzen. „Entscheidend ist ein End-to-End Management der hybriden Cloud-Umgebung. Erst dann kann die IT-Abteilung ihren Usern aus den Fachbereichen IT-Leistungen in Form eines Service anbieten“ ergänzt IDC-Analyst Kraus. Fernziel ist hier das Software Defined Datacenter (SDDC), das sich gerade noch in den Kinderschuhen befindet.

Software Defined Datacenter

Das SDDC schlägt die Brücke zwischen interner (physischer und virtualisierter) IT-Umgebung und externen Hosted oder Public Cloud Services (Quelle: IDC)

Das SDDC ist ein lose gekoppeltes Set aus Softwarekomponenten, das Hardware-Ressourcen wie Storage, Rechenleistung, Netzwerke und weitere Systeme virtualisiert und zusammenfasst. Ziel ist es, diese unterschiedlichen Ressourcen im Rechenzentrum intelligent zu verknüpfen und das komplette Data Center in Form eines integrierten Services zur Verfügung zu stellen. Damit entsteht eine Brücke zwischen der eigenen IT-Infrastruktur und den externen Cloud Services.

Weiterführende Informationen zur IDC-Studie „Hybrid Cloud in Deutschland 2014“ finden Sie hier.

Hier schreibt Jürgen Mauerer für Sie

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