19. Februar 2015 | pArtikel drucken | kKommentieren
„Fangt doch einfach an!“

Tipps für die Industrie 4.0: M2M ist die Herausforderung

Ein wichtiges Thema der Industrie 4.0 ist die Machine-to-Machine Kommunikation (M2M), die allerdings vor großen Herausforderungen steht: In den Schlüsselbereichen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Vermarktung besteht großer Nachholbedarf. Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im eco-Verband, erklärt die Maßnahmen, mit denen M2M zum Durchbruch verholfen werden kann.

Der aktuelle Report „M2M – Future Trends 2015“ von eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. zeigt, dass es 79 Prozent der befragten Experten vor allem an wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen fehlt, um die M2M-Technologie für eine Mehrheit von Unternehmen attraktiv zu machen.

Dementsprechend sehen 61 Prozent der Branchenkenner in der Entwicklung rentabler M2M-Konzepte auch das Topthema. Auf Platz zwei rangiert der „Schutz von Unternehmensdaten und Know-how“ (49 Prozent) in einem Verbund mit anderen Unternehmen, was auf einen Mangel an Vertrauen schließen lässt. Auf Platz drei der Topthemen liegt die „Monetarisierung der entstehenden Daten und Services“ (47 Prozent).

Dr. Horster

Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im eco Verband

Für Dr. Bettina Horster, Direktorin Mobile im eco Verband, ist der „größte Showstopper“ die hohe Komplexität solcher Projekte. „Das Spektrum der Expertise muss von Hardware, maschinennaher Programmierung bis hin zu internationalen Tarifmodellen der Netzprovider reichen.“ Das halte gerade Mittelständler davon ab, in M2M-Projekte zu investieren.

Lösungswege aus dem M2M-Dilemma

Für die Unternehmen sei es schwierig, dass sie „ihre Schnittstellen und Kernprozesse in ein Wertschöpfungsnetz einbinden sollen, nachdem sie davor alles getan hätten, um diese Geschäftsgeheimnisse zu hüten“, so Dr. Horster in einem Interview zum Report.

Sie seien unsicher, wo die Daten genau hingehen und wer diese abrufen kann. Unternehmen fürchten, dass Kern-Know-how an Wettbewerber gelange und diese anhand der gelieferten Prozessdaten identifizieren, wie ein bestimmtes technisches Problem gelöst wurde.

Deshalb müssen Berechtigungskonzepte entwickelt und entsprechende Hardware- und Softwareschutzmechanismen eingebaut werden. M2M_Eco
Nicht zu unterschätzen sei aber auch die psychologische Komponente. Deshalb nimmt der Plattformbetreiber, bei dem die Daten zusammenlaufen, eine Schlüsselrolle ein. Die Nutzer müssen ihm vertrauen, dass er die Daten zuverlässig ver- und entschlüsselt, sicher lagert und ausschließlich nach den Vorgaben des Unternehmens verteilt.
Entscheidendes Kern-Know-how kann in einer Sandboxlösung bleiben und durch eine intelligente Verkapselung geschützt werden. Datenstrukturen und Kernprozesse seien darin so hinterlegt, dass sich keine Rückschlüsse auf Umsetzungswege und Lösungen ziehen lassen. Die vertraulichen Daten werden durch einen Aggregationsprozess übersetzt und danach ins M2M-System übertragen.
„Statt die Komplexität von M2M zu zeigen, sollte den Unternehmen gesagt werden: Fangt einfach an!“, fordert Dr. Horster. Es müssen nicht immer sofort die komplette Digitalisierung und Vernetzung aller Maschinen und Prozesse sein. Schon einfache Anwendungsmöglichkeiten können sehr effektiv sein. „So ist es manchmal schon hilfreich, wenn das Unternehmen beispielsweise die Fehlercodes der Maschinen selbst ausliest.“

So lassen sich M2M-Projekte vereinfachen

Die Tipps der Expertin:
Sich einen Lotsen und Partner suchen, der durch das M2M-Dickicht führt. Denn trotz aller Analysen und Segmentierung blieben M2M-Projekte komplex. Das beginne mit der Auswahl und Integration der Software und der Hardwarekomponenten, über die Auswahl der Kommunikationsnetze und -anbieter bis hin zur Systemintegration und Implementierung der spezifischen Applikationen. Die Vernetzung der Maschinen und Prozesse sorge für große Datenmengen, die sicher transportiert, gelagert und ausgewertet werden müssten. Hier spielen Cloud und Big Data eine wichtige Rolle.
Standardsoftware für M2M vereinfache die Technologie für die breite Masse.
Branchenweise Integrationsplattformen könnten die Komplexität reduzieren. Dann ist die Umsetzung von M2M für die einzelnen Unternehmen nicht mehr so schwer. Mobilfunkbetreiber und Hersteller sind dabei, solche Plattformen zu entwickeln. Jedoch sind für Dr. Horster neutrale Software- und Systemintegratoren am besten als Betreiber solcher Plattformen geeignet, um einen Interessenausgleich der verschiedenen Hersteller, Dienstleister und Anwender zu schaffen.

Der eco-Report „M2M – Future Trends 2015“ ist unter der Leitung von Dr. Bettina Horster entstanden und kann kostenlos heruntergeladenwerden.

Wenn Sie mehr über die Cloud, digitale Transformation und ihre Vorteile erfahren wollen, melden Sie sich zur CANCOM Cloud Conference am 4. März 2015 in der BMW-Welt in München an. Hier können sie die BusinessCloud von CANCOM live erleben.

Hier schreibt Heide Witte für Sie

Mehr Artikel vom Autor

Lesen Sie weiter auf CANCOM.info