4. Juni 2015 | pArtikel drucken | kKommentieren
Unternehmen werden mobil

Tipps für die passende App

W. Schwarz

Der Mobile-Solution-Experte Werner Schwarz von CANCOM unterstützt die Kunden bei der Entscheidung in Sachen Programmierung einer App.

„Wir brauchen eine coole App, unsere Konkurrenz hat jetzt auch eine!“, so die Forderung des Chefs. Vor der Umsetzung steht die Beantwortung der Frage: Wie hätten Sie´s denn gern: native, webbasiert oder hybrid? Hier eine kleine Entscheidungshilfe. 

Der Beginn des App-Projekts: Alle Beteiligten müssen an einem Tisch sitzen – IT-Experten und/oder Dienstleister sowie Fachabteilungen, die ihre Anforderungen und Wünsche formulieren. Dann gilt es, die Zielgruppe und die Ziele zu bestimmen.

„Mobile Enterprise ist eine Kernkompetenz von CANCOM“, erklärt Werner Schwarz, Mobile Solution Experte des Münchner IT-Dienstleister. Er  kennt die Anforderungen in verschiedensten Branchen und führt aus:  „Wir decken ein komplettes Mobile-Architecture-Portfolio ab: Das Spektrum reicht von der Analyse und Planung bis hin zum Bau und Betrieb mobiler Geschäftsanwendungen.“

Zielgruppen für Apps können beispielsweise eigene Mitarbeiter, Neu- oder Bestandskunden oder Geschäftspartner sein. Im nächsten Schritt folgt die Zieldefinition. Der Digitalverband Bitkom nennt ein Beispiel für ein konkretes Ziel im Bereich Optimierung des Vertriebs: „Umsatzsteigerung durch mehr Kundenbesuche pro Vertriebsmitarbeiter pro Tag“.

Das Resultat wäre dann idealerweise eine App, mit der die Vertriebsmitarbeiter immer und überall Zugriff auf Kundendaten und relevante Vertriebsdokumente haben und mit der sie ihre Besuchsberichte elektronisch erfassen und übermitteln können.

Die Umsetzung: Native, webbasiert oder hybrid?

Die Entwicklung einer App setzt eine Entscheidung voraus:  Native, webbasiert oder hybrid? Hier kurzgefasst die Merkmale und Unterschiede.

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In den App Stores sind unzählige native Apps zum Download vorhanden.

Native Apps werden für eine bestimmte Plattform entwickelt: iOS, Android oder Windows – um die gängigsten zu nennen. Erhältlich sind sie – nach durchlaufener Freigabprozedur durch die Betreiber – in den jeweiligen App-Stores. Sie bieten Zugriff auf alle Funktionen des mobilen Geräts: GPS, Kamera, Kompass oder auch Mikrofon. Und: Sie können auch ohne Internet-Verbindung genutzt werden.

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Die Bild-Zeitung ist mit einer webbasierten App vertreten.

Web-Apps (HTML5-Apps) lassen sich mit mobilen Webseiten vergleichen und werden im Browser gestartet. Herunterladen und Installieren sind nicht nötig. Sie laufen plattformübergreifend und können auch auf dem Server des Unternehmens gehostet werden. Ein Beispiel für eine Web-App ist das Online-Angebot der Bild-Zeitung. Bei der Web-App werden die Inhalte optimiert für die jeweiligen Endgeräte dargestellt. Auch hier ist es möglich, Standortinformationen zu nutzen und beispielsweise regionale Nachrichten anzuzeigen. Ein Zugriff auf die Kamera ist indes nicht möglich. Und: Ohne Internet-Verbindung geht nichts.

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Bei Igel, einer App der Glanzkinder, handelt es sich um eine hybride App für den Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.

Hybride Apps sind nativ und gleichzeitig webbasiert. Sie unterstützen ebenfalls verschiedene Plattformen und Gerätetypen. Bei hybriden Apps werden HTML5-basierte Web-Apps mit einem nativen Container zu einer hybriden mobilen Architektur verbunden, wodurch diese in die jeweiligen Stores wie App Store oder Google Play eingestellt werden können. Der Container gestattet solchen Apps überdies vollständigen Zugang auf die Geräteperipherie wie Kamera, Mikrofon, Beschleunigungssensor oder Kompass, aber auch auf Dienste wie Telefonie oder Kontakte. Auch sie können offline genutzt werden.

Welche Lösung für wen?

In einem Leitfaden nennt Bitkom einige technische und wirtschaftliche Faktoren.
– Soll die Anwendung beispielsweise auf alle Hardwarekomponenten zugreifen können oder Inhalte auch offline zur Verfügung stellen, ist eine native oder zumindest hybride App die bessere Wahl.

– Sollen Projekte für mehrere Zielplattformen realisiert werden, so ist es dagegen preisgünstiger einen hybriden oder webbasierten Ansatz zu verwenden, da hier Teile des Programmcodes wiederverwendet werden können.

– Auch in Sachen Wartungs- und Update-Kosten punkten laut Bitkom hybride und webbasierte Apps. Werden letztere auf dem eigenen Server gehostet, so können sie außerdem jederzeit und unabhängig von Genehmigungsprozessen der Plattformbetreiber aktualisiert und gewartet werden. Sie eignen sich deshalb optimal für Inhalte, die laufend aktualisiert werden, beispielsweise in der Medienberichterstattung.

Die übliche Umsatzbeteiligung der Plattformbetreiber – meist 30 Prozent des Verkaufspreises – entfällt bei einer Distribution außerhalb der Stores. Allerdings müssen sich die Unternehmen dann auch selbst um ein geeignetes Vertriebs- und Abrechnungssystem kümmern, wenn mit einer App Umsatz generiert werden soll.

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Auch cheminfo ist eine hybride App: Nativ ist der schwarze Navigationsbalken unten mit den Buttons Home, Info, Feedback und Impressum. Webbasiert sind alle Inhalte, Bilder und Titel. Quelle: webgearing ag

Hybride App für B2B-Anwendungen

Die Analysten von Gartner bringen es auf den Punkt: “Die hybride Architektur ist dabei außerordentlich gut für Anwendungen geeignet, die Unternehmen ihren Mitarbeiter bereitstellen können,” sagt Van Baker, Research VP des Marktforschungsunternehmens. Zwar böten native Apps in den meisten Fällen ein Optimum an Performance und Bedienerfreundlichket, zu ihren Nachteilen im Unternehmenseinsatz zählen jedoch die durch sie bedingte fragmentierte Landschaft aus Entwicklungsumgebungen und Werkzeugen sowie (zu) viele zu pflegende App-Versionen für die Bereitstellung von meist ein und derselben Funktionalität.

Der Aufwand lohnt sich

An mobilen Anwendungen kommt kaum ein Unternehmen vorbei. Dabei weitet sich die Zahl und Beschaffenheit der unterstützenden Plattformen aus: Dazu kommen beispielsweise Set Top Boxen, smarte Produkte wie Haushaltsgeräte und andere „connected devices“, beispielsweise in Autos sowie Wearables wie Brillen oder Uhren. Eine native Unterstützung dieser Vielfalt wird den Analysten zufolge „schwer bis unmöglich“.

 

 

Hier schreibt Heide Witte für Sie

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