13. Januar 2016 | pArtikel drucken | k1 Kommentar
Design-Piraterie

Bedrohen 3D-Drucker das Patentsystem?

Während die jährlichen Verluste durch Video- und Musik-Piraterie der Vergangenheit angehören, bedroht eine neue Rechtslücke das Urheberrecht. Design-Piraterie dank 3D-Druckern könnte Anwälte in den kommenden Jahren auf Trab halten.

Keine Sorge, niemand wird davon erfahren. Doch sind Sie kurz ehrlich: Erinnern Sie sich an Napster, BearShare und Co.? Filesharing haben wohl die meisten Internet-User zur Jahrtausendwende betrieben. Es war schließlich auch so einfach. Plötzlich konnte man jeden gewünschten Song und jeden beliebigen Film herunterladen. Das Beste: Natürlich war alles kostenlos.

Es wurde viel diskutiert, Nutzer des illegalen Materials wurden tausendfach abgemahnt. Dank Streaming-Angeboten rund um Netflix, Amazon Instant Video und Spotify gehören die Hochzeiten des Filesharing aber heute der Vergangenheit an. Aktuell laden die Wenigsten illegale Inhalte aus dem Internet, selbst die Unterhaltungsindustrie verzeichnet dank Streaming nie da gewesene Umsätze.

3D-Drucker schaffen neue Probleme

Screenshot: Evernine

Einfach die Design-Datei herunterladen: Das eigene iPhone ist nur einen 3D-Drucker weit entfernt. (Bild: GrabCAD)

Nun kommt die Wende. Denn lag der Fokus beim Filesharing ehemals auf Multimedia-Inhalten, kommt dank 3D-Drucker ein neuer Höhepunkt auf den (illegalen) Austausch von Daten zu. Sogenannte CAD-Dateien, in etwa das Rohmaterial für Design und Prototypen, werden aktuell im Internet verbreitet.

Diese Dateien lassen sich kostenlos herunterladen und produzieren in Verbindung mit 3D-Druckern jedes gewünschte Objekt. Leichter ausgedrückt: Sie wollen selber ein iPhone bauen? Dann laden Sie einfach die passende CAD-Datei herunter. Der hauseigene 3D-Drucker produziert dann Ihr ganz eigenes Smartphone.

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Patentämter sind bisher überfordert

Patentrechtsverletzungen zu verfolgen, gestaltet sich äußerst schwierig. Gerade im Hinblick auf das Beispiel mit dem iPhone wird es wohl nie gelingen, den Design-Dieb ausfindig zu machen – gesetzt den Fall, er nutzt sein Material nur privat.

Aufgrund der steigenden Anzahl von 3D-Druckern in privaten Haushalten hat auch das deutsche Patent- und Markenamt große Bedenken vor einer Renaissance des Filesharing. Laut Patentschützern gibt es aktuell deshalb nur zwei Möglichkeiten, um sich gegen die 3D-Piraterie zu schützen:

✔ Hersteller von 3D-Druckern können verklagt werden.
✔ Uploader von CAD-Datein können verfolgt werden.

Die Produzenten der 3D-Drucker zu verklagen, wird kaum möglich sein. Schließlich verletzen sie mit der Herstellung und dem Vertrieb ihrer Produkte gegen kein Patentrecht. Jedoch könnte es, wie schon zu Zeiten von Napster und Co., den File-Sharern an den Kragen gehen. Doch selbst das wird schwierig, denn bisher sind eigenständig erstellte CAD-Dateien nicht urheberrechtlich geschützt.

Laut Experten wird die einzige Lösung sein: CAD-Dateien müssen durchgängig patentrechtlich geschützt werden, hier liegt der Fokus auf Urheberrechtsverletzungen beim Design. Konsumenten sollten über das neuartige Filesharing-Problem weitläufig informiert werden.

Nur so könnte es möglich sein, das Urheberrecht zu Zeiten des 3D-Druckers wieder zu schützen. Bis das geschieht, werden weltweit wohl aber noch viele Produkte kopiert und teilweise kommerziell vertrieben werden.

Quelle Titelbild: Pixabay

Hier schreibt Lenz Noelkel für Sie

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