7. April 2016 | pArtikel drucken

Implantierbare Microchips – ein zweifelhafter Trend?

Die Entwicklung bringt ständig neue, innovative, aber auch teils besorgniserregende Dinge mit sich – gerade im Zeitalter des Internet of Things. Ein Mikrochip, der unter die Haut transplantiert werden kann, ist eine solche Neuerung. Besorgniserregend oder nützlich?

Lesen Sie weiter auf CANCOM.info

Es heißt, wir werden in der Zukunft nie wieder einen Schlüssel, eine EC-Karte oder gar Bargeld verwenden. Die Rede ist allerdings nicht von einem Smartphone, Gadget oder Art Schlüsselkarte, die alles vereint, sondern einem plastischen Einsatz, der wortwörtlich unter die Haut geht. Ein circa Reiskorn großer Chip wird dafür in die Hand implantiert, wobei eine Hülle aus hochpoliertem Glasdafür sorgt, dass er nicht mit umliegenden Haut- und Muskelschichten zusammenwächst.

RFID oder NFC

Chip

So groß ist der Mikrochip, der zwischen Zeigefinger und Daumen eingesetzt werden kann. Quelle: TED x Talks / Bio Pay.

Solche implantierbaren Chips sind mit der RFID- oder NFC-Technik ausgestattet, also so, wie wir es aus herkömmlichen EC-Karten, Autoschlüsseln oder Mensakarten kennen. Der Mensch wird mit der Einpflanzung dieses Chips mehr und mehr zum Cyborg.

In den letzten Monaten ist die Zahl an Männern und Frauen stark angestiegen, die sich einen Mikrochip zwischen Zeigefinger und Daumen einsetzen lassen haben, auf denen dann Daten abgespeichert werden. Die Funktionsweise ist dann ähnlich wie mit einer Karte: einfach die Hand vor einen RFID-Scanner halten, bzw. an das Kartenlesegerät und schon findet die Datenübertragung statt und eine Bezahlung kann abgeschlossen werden.

Das klingt doch alles etwas sonderbar

Zugegebenermaßen, der Gedanke schmeckt nicht gleich jedem. Das eine gewisse Nützlichkeit und Praktikabilität in der Einpflanzung eines solchen Chips vorhanden ist, lässt sich jedoch definitiv nachvollziehen. Wer hat nicht schon oft seine Geldbörse, ein Passwort oder seinen Schlüssel vergessen? Die Lösung wäre hier der implantierte Mikrochip, der alle Daten und Passwörter hierfür gespeichert hält und sich mit Hilfe eines Smartphones synchronisieren lässt. Da es aber immer zwei Seiten der Medaille gibt, überwiegt der eher kritische Teil dem praktischen. Wir machen uns hiermit zu komplett trackbaren, ständig auffindbaren sowie transparenten Menschen. Das Chippen, die Praxis stammt übrigens aus der Tiermedizin und wird teilweise bei Wiederholungstätern in den USA bereits angewandt, findet daher noch mehr Ablehnung als Zuspruch.

Sicherheit und andere Bedenken

At the Gym

So sieht eine praktikable Anwendung im Alltag aus. Quelle: TED x Talks / Bio Pay.

Die Sicherheit der Daten ist, wie bei vielen digitalen Entwicklungen, eine weiterer Punkt, der gegen die Technologie spricht. Hersteller der Chips versprechen natürlich höchstmögliche Sicherheit, doch lassen sich missbräuchliche Fälle kaum vollständig auszuschließen. Von der Definition klarer Regeln oder gar Gesetzen sind wir noch weit entfernt, da das Recht im Internet allgemein noch eine riesengroße Baustelle ist. Weitere Gedanken machen sich derzeit viele Experten zur Verarbeitung des Chips selbst. Vor allem eine mögliche Überhitzung des Implantats bei medizinischen Untersuchungen im Computertomograph macht den ständigen Begleiter zu einer Gefahr.

Solange die Nachteile überwiegen, nehmen wir lieber den zusätzlichen Aufwand auf uns und denken weiterhin drei Mal nach, ob wir alles bei uns haben, bevor wir die Tür hinter uns zu ziehen.

Quelle Titelbild: TED x Talks / Bio Pay

Hier schreibt Marko Andricevic für Sie

Mehr Artikel vom Autor