20. April 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren

Full Service: Wird Amazon auch Mobilfunkanbieter?

Mobilfunkdiscounter wie Fonic oder Edeka mobil gibt es viele. Doch sollten sich Berichte bestätigen, dass Amazon mit einem eigenen Tarif auf den deutschen Markt drängt, würde damit ein neuer Full-Service-Anbieter entstehen. CANCOM.info zeigt die Chancen und die möglichen Schwächen des Geschäftsmodells auf.

Wie die Wirtschaftswoche kürzlich berichtet hat, plant Amazon nach dem Vorbild von Google in den USA mit einem eigenen Tarif den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt. Es soll auch schon erste Gespräche mit einem der drei großen deutschen Netzbetreiber geben, über deren Netze alle Dienste von Mobilfunkprovidern angeboten werden.

Der Plan des Online-Riesen hat außerdem Spekulationen über ein neues Amazon Fire Phone hervorgerufen. Mit dem ersten Modell, das bis Mitte 2015 nur etwas länger als ein Jahr angeboten wurde, konnte Amazon keine großen Erfolge erzielen, da das Gerät vielen Kunden schlichtweg zu teuer war.

Starker Zuwachs bei Langzeitverträgen

O2 und E-Plus beziehungsweise die spanische Mutter Telefónica mit dem E-Plus-Netz sowie die Deutsche Telekom und Vodafone mit D1 und D2 teilen sich das deutsche Telefonnetz zu 100 Prozent. Trotz der vielen Discounter und anderen Mobile Virtual Network Operations (MVNO) sind diese Unternehmen nach wie vor marktbeherrschend. Auch in Bezug auf den Umsatz kommen die Netzbetreiber immer noch auf rund 80 Prozent innerhalb Deutschlands.

Dem „SmartWeb Mobilfunk Report Deutschland Q4 2016“ zufolge könnten sie sogar ein Stück zugelegt haben: Danach ist die Zahl der von ihnen dominierten Postpaid-Langzeittarife im vergangenen Jahr von 3,1 Millionen auf 62,44 Millionen stark gestiegen, während die der Prepaid-Verträge inzwischen auf 54,35 Millionen gesunken ist.

Luft für Newcomer

Insgesamt zählte SmartWeb Ende 2016 rund 116,79 Millionen Mobilfunkverträge und damit 2,96 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Markt der Mobilfunkverträge wächst also weiterhin – so könnte auch Neueinsteigern wie Amazon der Einstieg gelingen.

Anders als viele Mobilfunkdiscounter einschließlich Congstar, Lidl Connect, Tchibo Mobil (als erster in Deutschland), Norma und Edeka mobil könnte der amerikanische Online-Versandhändler das Angebot als virtueller Netzbetreiber sogar mit Full Services koppeln. Ob ihm gelingt, das eigene Mobilfunkangebot von einem der großen Netzbetreiber zu entkoppeln und sich wie beispielsweise 1 & 1 Internet sowohl an den Vodafone- als auch an den Telefónica-Zug zu hängen, bleibt allerdings abzuwarten.

Skaleneffekte sprechen gegen personalisierte Angebote

Aktuell scheint es wenig wahrscheinlich, dass Amazon auf den B2B-Zug aufspringen wird. Falls das Online-Versandunternehmen in den deutschen Mobilfunkmarkt einsteigt, wird es voraussichtlich versuchen, neue Kunden durch günstige Tarife zu überzeugen.

Personalisierte Angebote, wie bei vergleichbaren Komplettdienstanbietern im B2B-Segment, werden für Amazon, Google und andere Newcomer zunächst nicht von Interesse sein. Grund dafür sind die großen Skaleneffekte: Durch ein einheitliches Angebot für ein breites Kundenspektrum ergeben sich für die Großkonzerne enorme Kostenvorteile – und durch deren Wegfall müssten sie mit deutlichen Gewinneinbußen rechnen. Amazon selbst hat sich zu den Berichten in der Wirtschaftswoche und anderen Magazinen bisher noch nicht geäußert.

 

Quelle Titelbild: © triloks / iStock

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