5. April 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren

„Sommer CeBIT 2018“ – das meinen Experten zum neuen Konzept

„Im Frühling geht es nach Hannover“, damit wird ab der CeBIT 2018 Schluss sein. Die weltgrößte Branchenshow will auch für Consumer wieder attraktiver werden und findet daher als „Eventplattform“ mit neuem Konzept ab 2018 im Sommer statt. CANCOM.info berichtet über erste Reaktionen und was das für Fachbesucher bedeutet.

Besucher der oft winterlich trüben CeBIT in Hannover und der meist verregneten Computex in Taipei (Taiwan) haben schon lange davon geträumt, die Termine der beiden größten IT-Messen einfach zu switchen. Die CeBIT 2018 vom 11. bis 15. Juni bildet, zumindest von deutscher Seite aus, den Auftakt dazu.

Denn aus einer März-CeBIT wird dann eine Sommer-CeBIT mit Eventcharakter, begleitet von Live-Konzerten. Nachdem die IFA der weltgrößten ITK-Messe in Hannover buchstäblich immer mehr die Show gestohlen hat, soll die CeBIT auch für das normale Publikum wieder attraktiver werden.

Denn von Hochzeiten mit 800.000 Besuchern ist die CeBIT heute weit entfernt. Zuletzt waren es im März 2017 wie im Vorjahr gerade mal 200.000 Besucher.

Fit für die Generation Y

Digital, vernetzt und individuell – die CeBIT will die Generation Y ab 2018 erreichen. (Bild: Evernine)

Wie Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG am 22. März 2017 mitteilte, wolle man die CeBIT „zu Europas führender Eventplattform und zum Festival für digitale Technologie, digitale Innovation und Geschäftsanbahnung der digitalen Wirtschaft umbauen“.

Die CeBIT als „Eventplattform“ zu platzieren ist neu. Es hat sich aber schon so verinnerlicht, dass auch viele Aussteller mittlerweile davon reden. Weiter sagt Frese: „Wir bringen die CeBIT in den Juni, weil wir im Sommer Technologie noch emotionaler inszenieren und eine coole Campus-Atmosphäre schaffen können.“ Und: „Sie setzt stark auf Emotionen und macht sich somit fit für die Generation Y, die bereits mit Selbstbewusstsein und neuen Ideen in die Wirtschaft drängt.“

So wie Digitalisierung und Disruption, auch genährt durch neue Ideen von besagter Generation Y, Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr erfassen, ändern sich Frese zufolge auch die Anforderungen der ITK-Branche an ihre „zentrale Eventplattform“. Deshalb werde sich die CeBIT jetzt „spürbar verändern“, so der Messechef.


Hintergrund: Generation Y, auch Millennials genannt, bezeichnet diejenigen, die zwischen 1980 und 1999 geboren sind, und die ersten sogenannten „Digital Natives“, die vielfach technikaffin und gut ausgebildet alles hinterfragen. Damit tritt die Generation Y an, viel frischen Wind in die Wirtschaft, Industrie und die Arbeitswelt allgemein zu bringen.


Auch Fachbesucher kommen auf ihre Kosten

Zentraler neuer Anlaufpunkt soll als d!campus das Freigelände am Expo-Holzdach werden. Er wird laut der Deutschen Messe AG zum Ort der Begegnung für Showcases und Open-Air-Inszenierung, Austausch und Party. Das Stichwort Party ruft bei vielen CeBIT-Veteranen sicherlich Erinnerungen an die Spitzenzeiten um 2000 wach, als man abends von einer großen Party zur nächsten pilgerte und der Schlaf immer viel zu kurz kam. Ob sich davon auch die heutigen IT-Entscheider mitreißen lassen, wird sich zeigen.

Rund um den d!campus sollen drei Elemente zum festen CeBIT-Repertoire werden:

d!conomy wird vor allem Unternehmen und öffentliche Auftraggeber ansprechen, die sich für Angebote und Themen im Bereich der Digitalisierung interessieren.

d!tec ist disruptiven Technologien, Forschung und den vielen Startups gewidmet, die ihre Visionen im New-Tech-Festival präsentieren.

d!talk bildet den Rahmen für Konferenzen, Workshops und Keynotes, der Herstellern und IT-Entscheidern Raum für Diskussion und Wissensaustausch bieten soll.

Der Messeauftakt am Montag, den 11. Juni 2018, wird wie in den Vorjahren ein Forum für Top-Entscheider, die hohe Politik und die internationale Presse sein und mit einer Welcome Night ausklingen. Die drei Tage von Dienstag bis Donnerstag sollen unter den drei oben genannten Mottos d!conomy, d!tec und d!talk dem Fachpublikum vorbehalten sein.

Geplant ist, am 14. Juni, dem Tag der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2018, mit einem großen Event-Highlight zum allgemeinen Publikumstag überzuleiten. Am Freitag werden nämlich Teile der Messe und der d!campus auch für normale Besucher geöffnet sein.

Bereits dieses Jahr hat sich die CeBIT versucht, sich einen frischeren Anstrich zu geben.

Stimmen aus Politik und Wirtschaft

Das Rahmenprogramm scheint also stimmig. Es stellt sich nur die Frage, wie die potenziellen Aussteller reagieren. Von der Deutschen Telekom liest man, dass sie kurz vor dem Absprung war, was laut Heise der Todesstoß für die CeBIT bedeutet hätte.

Hier hat schließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel als oberste Dienstherrin interveniert und „den Bonnern ins Gewissen geredet“, wie Heise schreibt. Die Regierungschefin hat sich am Eröffnungstag der CeBIT 2017 deutlich dagegen ausgesprochen, die große IT-Branchenshow nach über 30 Jahren wieder mit der Hannover Messe zusammenzulegen. Die Telekom begrüßt derweil die Neuausrichtung der CeBIT, macht die Teilnahme für 2018 aber von dem jeweiligen Konzept abhängig.

Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, sagt derweil: „Das Konzept CeBIT 2018 bietet zusätzliche Potenziale zur Vergangenheit. (…) Vor allem der Juni-Termin bringt viele Ansatzpunkte, Technologie, Geschäftsanbahnung und Festival noch emotionaler miteinander zu verbinden. Die Öffnung für ein breiteres Publikum kann auch die gesellschaftliche Diskussion um die Digitale Transformation positiv beeinflussen.“

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder sieht bei der CeBIT „die Zeit für tiefgreifende Veränderungen gekommen“. Ein Facelift allein sei nicht mehr ausreichend. So wie die Branche müsse sich auch die CeBIT als „Eventplattform“ weiterentwickeln, greift der Bitkom-Chef das neue Schlagwort auf. „Das neue Konzept gibt die Chance, die CeBIT noch stärker inhaltlich zu prägen, weg von einer reinen Ausstellung, hin zu Dialog und Content“, so Rohleder.

„Mit einem stärker strukturierten Konferenzprogramm und mehr Festivalcharakter den Fokus auf die Digitale Transformation zu legen, halte ich für den absolut richtigen Weg“, lobt Prof. Dr. Matthias Jarke, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik. Die Fraunhofer-Institute sähen den Publikumstag auch als Chance „mit Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs“. Denn so werde es gelingen, noch stärker junge Menschen für die CeBIT und damit auch für die Digitale Transformation zu begeistern.

Heiko Meyer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei HP Deutschland. (Bild: HP Deutschland)

Heiko Meyer, Vorsitzender der Geschäftsführung von HP Deutschland sowie des CeBIT-Messeausschusses erklärte: „Das neue Konzept ist kein einfaches ‚Weiter so‘, es wird überraschen und begeistern.“ Der Campus biete auch für ein Festival „hervorragende Voraussetzungen“.

Dafür wird schon die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sorgen, denn das Eröffnungsspiel wird am vorletzten Abend per Public Viewing live übertragen.

Entsprechend ausgebucht sind laut NDR schon die Pavillons am Außengelände.

„Wettbewerb zu anderen Plattformen weltweit“

„Jetzt müssen die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden, die CeBIT muss mit einem klaren Profil auch im Wettbewerb zu anderen Plattformen weltweit positioniert werden. Das neue Konzept wird dem gerecht“, meint Dr. Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland.

Wie „Der Spiegel“ spekuliert, soll durch die künftige Sommer-CeBIT auch ein größerer Abstand zur CES und zum Mobile World Congress (MWC) im Frühjahr hergestellt werden, um mit echten Produktneuheiten überraschen zu können.

Dennoch, die CeBIT könnte auch im Sommer 2018 zu kämpfen haben. Zwar löst man sich etwas von der Nähe zum Mobile World Congress in Barcelona, die zeitliche Nähe zur IFA im September und zur Computex Ende Mai 2018 passt aber gar nicht ins Bild. Auf der fernöstlichen zweitgrößten IT-Messe der Welt werden neben vielen Gadgets traditionell viele PC-Produkte und Server gezeigt, die auf Neuentwicklungen der Prozessoren- und Mainboard-Hersteller zurückgehen. Zum Beispiel stand die Computex 2016 (31.05.-04.06.) schon unter dem Eindruck von Intels neuer „Kaby Lake“-Mikroarchitektur, dabei ist diese offiziell erst kurz vor der IFA gelauncht worden. Das sind genau die Themen, die man auf der CeBIT gerne auch wieder vermehrt fördern möchte.

Immerhin: Das Interesse an der Sommer CeBIT 2018 scheint bisher groß zu sein, bleibt zu wünschen, dass das auch so bleibt.

Quelle Titelbild: Evernine

Hier schreibt Klaus Hauptfleisch für Sie

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