2. Mai 2017 | pArtikel drucken | k1 Kommentar

Naht die Logistik-Revolution durch die Digitalisierung?

Technologien wie autonome Fahrzeuge, Datenbrillen, Drohnen und künstliche Intelligenz werden die Logistik grundlegend verändern, zeigt eine Bitkom-Umfrage. CANCOM.info berichtet, welche neuen Technologien heute in der Logistik schon greifen und worauf die Wirtschaft zukünftig setzen wird.

DHL erprobt seit Jahren, wohin die Zukunft der Logistik geht. Anfang 2015 hat der deutsche Paketversandriese zusammen mit Elektronik-Hersteller Ricoh den erfolgreichen Test von Datenbrillen beim Picking im Lager verkündet.

„Ich bin überzeugt, dass die Drohne kommen wird“, wurde zwei Jahre später Peer Bentzen, Excecutive Vice President Business Development bei der Deutsche Post DHL Group, im e-commerce magazin zitiert. Das erste Mal 2013 von dem Online-Händler Amazon vorgestellt, sind Drohnen für die Paketzustellung bis heute noch umstritten. Es wächst aber die Akzeptanz, besonders wenn es um schwer zugängliche Regionen geht.

Für die Distribution im Massengeschäft stehen allerdings die „aktuellen Rahmenbedingungen“ im Wege, wie Hermes-Chef Frank Rausch im e-commerce magazin andeutete. Sein Unternehmen und DHL setzen daher als realistischere Zustelloption auf bodengestützte Lieferroboter.

So testet Hermes Logistik seit Mitte 2016 in drei Hamburger Stadtteilen die Zustellung durch Transportroboter des Unternehmens Starship Technologies.

Drohnen und AR-Brillen gehört die Zukunft

„Die Logistik ist bereits heute einer der digitalsten Unternehmensbereiche“, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder bei der Vorstellung einer Umfrage bei 508 Unternehmen mit Logistikprozessen. „Aber mit Drohnen, autonomen Systemen und Artificial Intelligence steht der Logistik nicht nur eine Optimierung von Geschäftsprozessen bevor, sondern eine Revolution“, fügte er hinzu.

Die Teilnehmer der Bitkom-Studie wurden unter anderem befragt, welche Logistik-Szenarien sie in zehn Jahren sehen. Drei Viertel von ihnen sind überzeugt, dass AR- oder Datenbrillen weit verbreitet sein werden, mehr als zwei Drittel denken, dass selbstlernende Systeme viele Logistikaufgaben übernehmen werden, und ganze 58 Prozent sind überzeugt, dass autonom fliegende Drohnen zur Inventur des Lagerbestandes eingesetzt werden. 57 Prozent tippen auf autonome Fahrzeuge und gut zwei Fünftel sehen die Lieferung mit Drohnen oder Transportrobotern zum Endkunden voraus.

Digitalisierungspotenzial noch nicht ausgeschöpft

Wird die Digitalisierung schon bald die Logistik in Unternehmen vollständig revolutionieren? (Bild: yoh4nn / iStock)

Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits jetzt digitale Technologien. Aber die aktuelle Nutzung und mittelfristige Pläne für die Logistik sprechen derzeit noch eine andere Sprache – weg von autonomen Drohnen und Fahrzeugen.

Die Haupteinsatzgebiete sind aktuell eher noch die Lagertechnik – ob im eigenen Logistikprozess oder bei der Beauftragung externer Logistiker. Angeführt wird dies von fahrerlosen Staplersystemen, Smart Containern und Lagerrobotern bei rund einem Fünftel der befragten Unternehmen. Was die unmittelbare Planung für die nächsten Jahre angeht, nannten die meisten Befragten abermals intelligente Stapler und Container. Hoch im Kurs sind dabei auch Datenbrillen.

Autonome Fahrzeuge und selbstlernende Maschinen mit Künstlicher Intelligenz sowie Drohnen stehen hingegen mit maximal vier Prozent der Antworten noch weit hinten an. Gleiches gilt auch für Anwendungen der Zukunft wie vorausschauende Wartung, lernende Software und Blockchain à la Bitcoin als Basis für Kryptowährungen über verteilte Rechner.

Nach dem Digitalisierungsgrad befragt, werden die meisten Antworten in dieser Reihenfolge genannt: Elektronische Rechnungen, Warehouse Management, Electronic Data Interface (EDI) und Tracking. Bei der Planung rücken aber auch Themen wie Cloud Computing und Big Data Analytics verstärkt in den Fokus. Das Digitalisierungspotenzial ist hierbei längst nicht ausgeschöpft.

Digitalisierung mehrheitlich positiv bewertet

Beinahe neun von zehn Unternehmensverantwortlichen begreifen die Digitalisierung als Chance, nur etwa jeder Zehnte sieht eher Risiken auf sich zukommen. Auch wenn autonome Drohnen und Fahrzeuge noch relativ weit unten auf der Agenda stehen – eine Anpassung an die technischen Möglichkeiten ist bei den Logistikprozessen der befragten Unternehmen das drängendste Anliegen 2017.

Auf Platz 2 folgt die Förderung der digitalen Kompetenz durch Anpassung der Ausbildungsberufe und Weiterbildungskonzepte. Auf Platz 3 steht der Wunsch, dass öffentliche Daten als Open Data für Logistik-Anwendungen zur Verfügung gestellt werden.

Zudem erwarten rund 90 Prozent der Befragten, dass sich durch die Digitalisierung die Logistikkosten von Unternehmen senken lassen. Fast ebenso viele Befragte rechnen mit einer beschleunigten Transportkette von Produkten und beinahe drei Viertel erwarten, dass die Transportkette dadurch weniger fehleranfällig wird. Cloud-Services könnten in diesem Bezug einen wesentlichen Beitrag leisten. Das wiederum könnte laut Umfrage zu einer erhöhten Kundenzufriedenheit und zu einem allgemein besseren Kundenerlebnis beitragen.

Beacons als Enabler

Ähnliche Erwartungen werden aktuell übrigens auch an die Beacon-Technologie gestellt, etwa in punkto Indoor-Navigation. Auch wenn sie in der Bitkom-Studie nicht explizit erwähnt werden, gelten Beacons als potentielle Enabler für die Steuerung von Transportvehikeln in der Lagerverwaltung.

Beacons für standortbezogene Dienste oder Location-based Services können zum Beispiel für die Abstandsmessung verwendet werden, um dem Lagerarbeiter zu signalisieren, dass es „warm“ ist, er also an der richtigen Stelle ist, um die gewünschte Ware aufzunehmen. Gepaart mit AR- oder Datenbrillen lässt sich das Tracking und Picking (Aufnehmen) der Waren somit deutlich beschleunigen und präzisieren. Viele Einsatzszenarien von Beacons sind jedoch noch in der Erprobung.

Quelle Titelbild: © stockvisual / iStock

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