4. Juli 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren

Autonome Fahrzeuge ab 2025? Alle Infos im Fakten-Check

Autonome Fahrzeuge werden medial gepusht, wie kaum ein anderes Thema im Automobilumfeld. Aber wie weit sind die Hersteller wirklich? Honda verspricht zum Beispiel vollautonome Fahrzeuge bis 2025. Wir fassen für Automotive-Fans den Status Quo zusammen, und berichten was Honda, Mercedes, BMW und Co. vorhaben.

Vielleicht erinnern Sie sich an den Hollywood-Streifen „iRobot“ – ist der Film mit dem autonom fahrenden Audi aus dem Jahr 2003 inzwischen zur Realität geworden?

Fest steht: Das selbstfahrende Auto beschäftigt Presse, Autofahrer, Automobilhersteller und IT-Unternehmen gleichermaßen.

In Japan sollen Autos ab 2025 von alleine fahren

Viele Automobilhersteller kategorisieren „Autonomie“ nach assistiertem und pilotiertem Fahren. Hier bilden sich entsprechend fünf Level – von Level 1 „Driver only“ bis Level 5 „kein Fahrer erforderlich“.

Laut The Verge will der japanische Konzern Honda schon im Jahr 2025 autonome Autos mit einem Fahrverhalten von Level 4 (die Vollautomatisierung) auf den Markt bringen. Level 3-Fahrzeuge (Hochautomatisierung) sollen sogar schon ab 2020 auf den Straßen zu sehen sein. Level 3 bedeutet demnach, dass der Fahrer in manchen Situationen nach wie vor eingreifen muss, während bei Level 4-Modellen das Fahren an sich automatisiert abläuft.

Soweit ist autonomes Fahren tatsächlich

Opel gibt mit einem futuristischen Prototypen eine mögliche Antwort auf autonomes Fahren.

Wie sehen autonome Fahrzeuge aus? Opel gibt mit einem futuristischen Prototypen eine mögliche Antwort. (Bild: Evernine)

Viele Automobilhersteller nutzen unterschiedliche Systeme, um den Autopiloten mit Informationen zu füttern – Stichworte sind hier „Sensorik“ und „Datengenerierung / -analyse“. CANCOM.info fasst den aktuellen Entwicklungsstand einiger relevanter Automobilhersteller und -Zulieferer zusammen.

Honda

Honda setzt bei seiner Technologie sowohl auf Kameras, als auch auf Lidar- und Radarsysteme. Des Weiteren wird eine KI verwendet, die die Sensordaten auswertet und damit auf komplexe Verkehrssituationen reagieren kann, schreibt das Magazin Autonomes Fahren & Co.

Mercedes

Mercedes setzt bei seinen Fahrzeugen auf Kartendaten, Sensoren und eine KI, die alle Informationen analysiert und entsprechend handelt. CANCOM.info hat mit Daimler gesprochen und exklusiv ein Statement von Katharina Becker, Digital Vehicle & Future Technologies bei Daimler, erhalten:

„Die Basis für den Erfolg liegt in unserer geballten Erfahrung beim automatisierten Fahren – im Speziellen bei der Software-Programmierung der für die Kunden erlebbaren Assistenzfunktionen. […] Bis jedoch ein Fahrzeug ganz ohne Fahrer auskommt, sind noch eine Reihe von Hürden zu nehmen. Auch die neue S-Klasse […] ist ein Level-2-Fahrzeug: Der Fahrer ist also jederzeit in der Verantwortung. Bis zum Fahren ganz ohne Fahrer auf einer nicht vorher definierten Strecke und bei allen Verkehrs- und Umweltbedingungen ist es noch ein weiter Weg: Fahrzeugtechnisch, etwa bei der Redundanz von Lenkung und Bremsen; bei den Sensoren, stets aktuellen Kartendaten und bei den Algorithmen. Und natürlich auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen.“

Bosch

Auch Bosch ist im Automobilumfeld sehr geschäftig. Als traditioneller Automobilzulieferer hat das deutsche Unternehmen bereits früh den Trend „Automotive“ erkannt. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) schreibt in einem Artikel, dass Bosch das sogenannte System „Radar Road Signature“ entwickelt hat, mit dem Autos auf wenige Zentimeter genau ihre Position auf der Straße bestimmen können. Zusammen mit Tomtom hat sich Bosch von den üblichen Kamera-Systemen abgewandt und setzt nur noch auf Radarsensoren.

Der Vorteil dieser Radarsensoren ist laut der HAZ, dass sie bei allen Tageszeiten und Witterungen funktionieren, was bei Kameras häufig zu Problemen führt. Außerdem werden dadurch weniger Datenmengen verbraucht als bei Systemen mit Kameras. Um immer über Staus und die aktuelle Verkehrslage informiert zu sein, werden sehr viele Autos gebraucht, die diese Datenmengen sammeln. Die Zeitung schreibt weiter, dass spätestens im Jahr 2020 in Europa und den Vereinigten Staaten die ersten Fahrzeuge Daten für die Radar Road Signature liefern sollen.

BMW

Auch BMW arbeitet fleißig an seinen Plänen zum autonomen Fahren. Der Automobilhersteller will schon 2021 mit der Produktion von Roboter-Pkws starten. Ein Artikel der Frankfurter Rundschau weist jedoch auf die bestehenden Herausforderungen hin: Dass BMW ein Roboter-Auto bauen will, mit dem Fahrer zumindest auf Autobahnen ohne Hand am Steuer fahren können, sei durchaus anspruchsvoll.

„Hauptproblem ist es, neuronalen Netzen beizubringen, wie sie die empfangenen Daten interpretieren müssen“, sagt Reinhard Stolle, der führende BMW-Experte für Künstliche Intelligenz.

Opel

urkhard Milke, Direktor Elektrische Systeme bei Opel, auf der future.mobility Conference über autonomes Fahren.

Links im Bildschirm: Burkhard Milke, Direktor Elektrische Systeme bei Opel, auf der future.mobility Conference. (Bild: Evernine)

Noch frisch auf dem Markt für autonomes Fahren, will Opel laut eigenen Angaben rasche Schritte in der Entwicklung eigener Systeme gehen. Die Redaktion von CANCOM.info war zuletzt auf der „future.mobility Conference“ der Noch-Daimler-Tochter in Rüsselsheim. Einige interessante Statements waren:

Ausfallsicherheit ist unser größtes Ziel bei der Entwicklung autonomer Systeme. Es wird nicht lange dauern, bis wir erkennen müssen, dass es nachweislich sehr viel gefährlicher ist, wenn wir noch selbst fahren“, sagte Burkhard Milke, Direktor Elektrische Systeme bei Opel.

Und auch Tarek Al-Wazir, hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, meldete sich zu Wort: „Ich setze darauf, dass autonomes Fahren uns ermöglicht, die Lebensqualität exorbitant zu steigern.

Autonomes Fahren birgt noch einige Herausforderungen

Der Überblick zu den Entwicklungen diverser Hersteller im Automotive-Umfeld macht klar: Autonomes Fahren kommt, die Frage bleibt „wann“.

Auch wenn bisher noch nicht alle technischen wie juristischen Hürden – Stichwort Fahrsicherheit – gelöst wurden, sind autonome Fahrzeuge die Zukunft, daran scheint kein Weg vorbei zu führen. Es bleibt spannend, ob die Autohersteller und Technologiefirmen ihre Ziele einhalten können und wir schon in fünf Jahren während einer Autofahrt unsere Mails checken und im Internet surfen werden.

 

Quelle Titelbild: © chombosan / iStock

Hier schreibt Lenz Noelkel für Sie

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