11. Juli 2017 | pArtikel drucken | k1 Kommentar

Smart City: Aus Theorie wird Realität

Smarte Mülltonnen und WLAN-Straßenlaternen, die bei der Parkplatzssuche helfen: Was früher wie Science Fiction klang, ist bereits heute Realität – und ein wichtiger Schritt zur Smart City. Wie weit die Digitalisierung in manchen Städten schon vorangeschritten ist und welche Vorteile Smart Cities ihren Bewohnern bieten, erfahren Sie im Beitrag.

Laut dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation soll sich die Bevölkerungszahl in Ballungsgebieten bis 2050 nahezu verdoppeln. Um diese Situation zu meistern, müssen bestehende Versorgungssysteme und Konzepte überarbeitet werden. Hier kommt die vernetzte Stadt (Smart City) ins Spiel: Diese zielt in erster Linie darauf ab, das Leben der Bewohner effizienter, komfortabler und umweltfreundlicher zu gestalten. So soll beispielsweise die Müllentsorgung optimiert werden, indem Tonnen ein entsprechendes Signal senden, wenn sie entleert werden müssen.

Wie das funktionieren soll? Laut Computerwoche existieren drei kritische Elemente, die darüber entscheiden, ob eine Smart City erfolgreich umgesetzt werden kann: Das Internet der Dinge (IoT), die dem IoT zugrunde liegende Netzanbindung mit enormer Reichweite und Signalstärke sowie eine sichere Cloud-Infrastruktur.

Im oben genannten Beispiel ist die Mülltonne mit einem Sensor ausgestattet. Über das Netzwerk kommuniziert die Mülltonne mit anderen Geräten (wie beispielsweise dem Smartphone einer Fachkraft für Müllentsorgung). Sämtliche Daten, die für eine besonders effiziente Anwendung erforderlich sind, wie räumliche und geografische Informationen, sind in einer sicheren Cloud-Plattform gespeichert.

Smart City: Was heute schon möglich ist

Aufgrund der vielseitigen Vorteile einer Smart City wurden in Städten wie Barcelona, Kopenhagen oder Düsseldorf bereits Pilotprojekte gestartet. Allerdings beschränken sich diese oftmals auf einzelne Teilgebiete wie beispielsweise die Verbesserung der Verkehrs- und Parksituation. Als Vorreiter in Sachen Smart City gilt beispielsweise Indien mit Städten wie Kochi und Coimbatore sowie die Gujarat International Finance Tec City bzw. das GIFT-Projekt. Laut Experten sind hier die klassischen Probleme der Urbanisierung wie Staus und Stromausfälle als Hauptmotivation für die Bemühungen zu sehen.

Auch China hat mit Yinchuan ein Smart-City-Projekt erschaffen, das schon jetzt ermöglicht, was bislang wie Science Fiction klingt. Die Stadt soll von Grund auf intelligent gestaltet werden und so Zuziehende anlocken, die andernfalls Shanghai oder Peking bevorzugen würden. Dabei verfügt Yinchuan über weit mehr als eine smarte Müllentsorgung: Beispielsweise erfolgt dort das Bezahlen bargeldlos und unkompliziert mithilfe von Gesichtserkennung, indem das Bankkonto entsprechend verknüpft wird – so berichtet CNN.  Darüber hinaus bietet die Smart City ihren Bewohnern weitere Vorteile.

Das bringt die Smart City den Bewohnern:

✔ Lebensmittel-Shopping Adé: Essen wird einfach via App bestellt und nach der Arbeit aus einem zentral platzierten und gekühlten Schließfach abgeholt – wann Sie wollen.

✔ Lästiges Warten auf dem Amt, obwohl Sie keine Zeit dafür haben? In Yinchuan laufen die meisten Prozesse wie das Beantragen eines neues Ausweises bereits online ab – das spart Zeit und Nerven.

✔ Nie mehr zum Arzt – über entsprechende Portale erhalten Sie Fernbehandlung und Rezepte.

In einer Smart City könnten intelligente Straßenlaternen dazu beitragen, schneller einen Parkplatz zu finden.

Smarte Straßenlaternen könnten bald die Parkplatzsuche erleichtern. (Bild: © alika1712 / iStock)

Doch nicht nur China, sondern auch Deutschland hat bereits einige vielversprechende Anwendungen zu bieten. Vor allem smarte Straßenlaternen mit der Bezeichnung „Referenzarchitekturmodell Offene Urbane Plattform“ (OUP) sollen den Weg für smarte Städte ebnen. Zwei Beispiele, was die Laternen können:

✔ Eingebaute WLAN-Router versorgen die Innenstadt mit Internet – davon profitieren Sie, wenn Sie etwa für einen Geschäftstermin in die Stadt müssen.

✔ Über Parkraumerfassung wird der für Sie optimale Parkplatz identifiziert und Sie werden direkt dorthin navigiert.

Smart City, safe City?

Neben all den Vorteilen birgt eine vernetzte Stadt auch Risiken. Die Einwohner sind auf einen reibungslosen Systemablauf angewiesen und können weniger als zuvor selbst intervenieren. Das wird zur Gefahr, wenn Hacker in das System eindringen und es manipulieren.

In einer komplett vernetzten Stadt können dadurch Horrorszenarien zur Realität werden – wie verrückt spielende Ampelanlagen oder lahmgelegte Versorgungs- und Verkehrsnetze.

Daneben spielt auch der Datenschutz eine große Rolle. So stellt sich beispielsweise Dr. Igor Calzada, Professor an der University of Oxford für das Programm „Future of Cities“ die Frage, welche der vielen personenbezogenen Daten in einer Smart City wie Yinchuan weiterverwendet werden – und wofür. Ein kritisches Thema, insbesondere im Bereich Health Care.

Somit steht fest: Damit das Konzept der Smart City langfristig bestehen und sich weiterentwickeln kann, ist es zentral, Sicherheits- und Datenschutzlücken zu identifizieren und zu beheben.

 

Quelle Titelbild: © TERADAT SANTIVIVUT / iStock

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