15. September 2017 | pArtikel drucken | kKommentieren
Disruption im Finanzsektor

FinTechs in Deutschland mit Aufholbedarf

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Im Vergleich zur USA haben FinTechs, also moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen, in Deutschland einen schweren Stand. Mit Crowdfunding oder mobilen Zahldiensten wie iZettle versuchen sie, Bewegung in den hiesigen Markt zu bringen. CANCOM.info fasst den aktuellen Status Quo zusammen. 

Dieses FinTech dürften Sie kennen: die mobile Bank N26 (ehemals Number26). Das Berliner Unternehmen bietet seit Januar 2015 ein vereinfachtes Onlinebanking an, das Überweisungen, Geldeinzahlungen oder Kredite über eine einfache App abwickelt. Weitere bekannte deutsche FinTechs sind zum Beispiel auxmoney oder Paydirekt. Darüber hinaus gibt es weniger bekannte wie Scalable Capital und WeltSparen, die ebenfalls innovative Produkte anbieten.


Hintergrund: FinTech ist die Abkürzung für Financial Technology und bezeichnet Unternehmen, die sich oft auf Teilprozesse des Finanzsektors fokussieren und diese effizienter und flexibler gestalten wollen. Die ersten FinTechs kamen etwa 2008 im Zuge der US-amerikanischen Immobilienkrise auf und erlangten ihre Popularität durch das Versprechen, das Vertrauen in Finanzdienste durch Transparenz und Integrität wiederherzustellen.


Disruptive Technologie trifft auf etablierte Prozesse

Deutschland hat auf dem europäischen Markt zwar keinen schlechten Stand. International hinkt man aber den USA und Asien weit hinterher – das hat Ernst & Young in einer Studie zum FinTech-Standort Deutschland herausgefunden. An diesem Rückstand sind die FinTechs nicht zwangsläufig selbst schuld.

Hier ist eine interessante Studie von Deloitte zu nennen. Diese ordnet Fintechs in drei Gruppen ein: Herausforderer, Freunde und Neutrale. Drei Viertel aller B2B-Fintechs, die für das Firmenkundengeschäft von Relevanz sind, werden der Studie zufolge als Herausforderer eingestuft und deshalb von etablierten Finanzdienstleistern als Gefahr für bestehende Prozesse betrachtet. Entsprechend gering sei die Unterstützung oder die Bereitwilligkeit, mit diesen Firmen zu kooperieren: Die Fintechts seien zu innovativ.

Impulse können vom Staat ausgehen – die Schweiz macht es vor

Als Vorbild für Deutschland könnte die Schweiz dienen. Denn ausgerechnet in einem Land, das für seine Banken bekannt ist, ist ein regelrechter Cluster für FinTechs entstanden. Das Schweizer “Crypto Valley” im Kanton Zug positioniert sich bewusst als Region, die FinTechs anzieht und die entsprechende Infrastruktur in Form von schnellen Datenleitungen oder Kryptowährungen als Zahlungsmittel für diese Unternehmen bereitstellt.

Auch in Berlin versucht man seit Jahren, ein solches Ökosystem aufzubauen. Doch in Berlin, wie auch weltweit, ebbt die Stimmung gegenüber Start-Ups seit zwei Jahren wieder ab. Kapitalgeber machen sich zunehmend rar.

Wie es in Deutschland weitergeht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die meisten Deutschen können sich auf jeden Fall vorstellen, auch Drittanbietern, die keine Banken sind – also vor allem Fintechs – den Zugriff auf ihre Kontodaten zu erlauben: Laut einer aktuellen PwC-Studie sind 68 Prozent hierzu bereit. Bei der jungen Generation sind es sogar 86 Prozent.

Die Förderung von Fintechs in Deutschland könnte zum Beispiel entweder klassisch in Form von Fördergeldern oder durch Arbeitskreise mit etablierten Finanzdienstleistern realisiert werden. Vor allem zweiteres wäre eine sinnvolle Option: Auf diese Weise könnte man die Reichweite der etablierten Finanzdienstleister mit dem technischem Know-how der Fintechs kombinieren. Hiervon würden letztendlich beide profitieren.

Quelle Titelbild: alexsl / iStock

Hier schreibt Daniil Matzkuhn für Sie

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