9. Januar 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

China ermöglicht Personalausweis als App

Der chinesische Messenger-Dienst WeChat hat eine staatlich anerkannte Funktion als digitalen Ausweisersatz eingeführt. Auch andere Staaten treiben das Thema eGovernment voran.

Ersetzt in China eine App bald den klassischen Personalausweis? In der Hauptstadt Guangzhou der Provinz Guangdong (Kanton) hat das Technologie-Unternehmen Tencent mit der örtlichen Regierung ein Pilotprojekt gestartet, bei dem ein virtueller Personalausweis zum Einsatz kommt.

Wie die Zeitung South China Morning Post berichtet, steht der virtuelle Ausweis als Teil des beliebten Messenger-Dienstes WeChat Nutzern aus dem Stadtbezirk Nansha zur Verfügung. In den nächsten Monaten soll das Projekt auf das gesamte Land ausgeweitet werden.

Mit Gesichtserkennung gegen Identitätsdiebstahl

Chinesische Staatsbürger können sich mit der digitalen ID-Card ausweisen, wenn sie beispielsweise in Hotels einchecken oder sich für Dienstleistungen einer Behörde anmelden. Der physische Personalausweis wird dann nicht mehr benötigt.

Das Pilotprojekt soll dabei helfen, Identitätsdiebstahl im Internet einzudämmen. Durch die Verwendung einer Gesichtserkennung werden Nutzer verifiziert, bevor der virtuelle Ausweis in der App autorisiert wird. Das Projekt ist keine Eigenentwicklung Tencents, sondern wurde zusammen mit dem Forschungsinstitut des Ministeriums für öffentliche Sicherheit erarbeitet. Mehrere Banken und Behörden unterstützen die Neuentwicklung.

In China nutzen laut eigenen Angaben rund 980 Millionen Menschen WeChat. Das sind mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung von knapp 1,4 Milliarden Menschen.

Estland als Vorreiter: Personalausweis als App

China ist nicht das erste Land, das den Personalausweis in das Smartphone integriert. Estland, ein weltweites Vorzeigebeispiel im Bereich E-Government, hat seit 2007 eine so genannte Mobile-ID im Einsatz. Mithilfe einer speziellen SIM-Karte können estnische Staatsbürger ihr Handy als Ausweis benutzen.

Etwas neuer ist die Smart-ID. Diese wurde speziell für Smartphones mit Android und iOS entwickelt und benötigt keine spezielle SIM-Karte. Staatsbürger können damit nicht nur Behördengänge online erledigen, sondern sich auch bei Banken identifizieren, Verträge digital unterzeichnen oder ein Unternehmen gründen.

Der digitale Personalausweis erntet jedoch auch Kritik. Erst im November letzten Jahres machten Sicherheitsexperten die Regierung darauf aufmerksam, dass die ID Card einem Sicherheitsrisiko ausgesetzt ist. Daraufhin wurden die Ausweise funktionell eingefroren.

Wie Forbes berichtet, sei dies kein ungewöhnlicher Vorgang. Durch die stetig steigende Leistung moderner Rechner und intelligentere Algorithmen werden bestimmte Sicherheitsstandards mit der Zeit unzureichend. Es ist deshalb wichtig, die Systemsicherheit regelmäßig auf Lücken zu überprüfen. Der estnische Staat reagierte mit einem umgehenden Update des Systems.

Quelle Titelbild: © kupicoo/iStock

Hier schreibt Daniil Matzkuhn für Sie

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