8. Februar 2018 | pArtikel drucken | k1 Kommentar

Smart Shipping – Wie die Digitalisierung die Schifffahrt verändert

2017 machten Versuche mit ferngelenkten Versorgungsschiffen und autonom navigierenden Containerschiffen Schlagzeilen. Tatsächlich ist dies nur ein Bestandteil der Digitalisierung in der Schifffahrt – die auch als „Smart Shipping“ oder „Maritim 4.0“ bezeichnet wird.

Laut dem deutschen Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) wird das Schlagwort „Maritim 4.0“ inflationär genutzt. Darauf weist der Verband in seinem Jahresbericht 2016/2017 hin. So werde das Schlagwort in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.

Hinsichtlich der Produktion bei Werften und Zuliefererbetrieben bedeute „Maritim 4.0“ vielfach die Digitalisierung der Produktion – also eine „Maritime Produktion 4.0“. Damit soll unter anderem die Produktivität und Flexibilität der Produktion gesteigert werden.

Beziehe sich „Maritim 4.0“ hingegen auf den Schiffsbetrieb, könne man das Schlagwort am ehesten mit der Kommunikation von immer intelligenteren Schiffsführungssystemen in Verbindung bringen – diese würden sowohl untereinander als auch mit Häfen, Lotsen, Schleusen und Schleppern kommunizieren.

Diese intelligenten Schiffsführungssysteme spielen unter anderem für das autonome Fahren in der Schifffahrt eine wichtige Rolle.

Um die Digitalisierung der Schifffahrt in Deutschland voranzutreiben, hat unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Förderprogramm „Maritime Technologien der nächsten Generationen“ aufgelegt. Das Programm verfolgt das Ziel, die Potenziale der Digitalisierung in der Schifffahrt auszuloten sowie die durch die Schifffahrt verursachten CO2-Emissionen zu reduzieren (Green Shipping).

IoT als Treiber der Digitalisierung

Bereits 2016 hat Ralf Nagel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Reeder (VDR), auf Einladung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Westfälischen Industrieklub Dortmund einen Vortrag über die Digitalisierung der Schifffahrt in Deutschland gehalten. Laut VDI-Meldung hat Nagel darauf hingewiesen, dass IoT in der deutschen Containerschifffahrt – die mit 29 Prozent Bruttoraumzahl weltweit führend ist – zum Treiber für die Digitalisierung in der Logistik geworden ist. Die Logistik habe für Deutschland indes, als eine der größten Exportnationen der Welt, eine zentrale Bedeutung.

Mithilfe von IoT kann vor allem die Effizienz der Schifffahrt deutlich erhöht werden. Der VDI-Meldung zufolge werden hierfür Sensoren an Containern, Schiffen und Entladeeinrichtungen in Verbindung mit Satellitentechnik verwendet. Mit den dadurch entstehenden unterschiedlichen Möglichkeiten der Datenübertragung (die Daten werden dabei von den vernetzten Containern, Schiffen und Entladeeinrichtungen produziert und anschließend analysiert, Anm. d. Red.) ließen sich beispielsweise Staus vor Häfen vermeiden sowie Schiffe fernüberwacht und vor Ort bei der Wartung unterstützen.

Buchungs- und Rating-Portale im Kommen

Die Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hat im Juli 2017 eine neue Reederstudie veröffentlicht, in der besonders auf die Digitalisierung in der deutschen Schifffahrtsindustrie eingegangen wird. 15 Prozent der Entscheider halten einer entsprechenden Umfrage zufolge die Digitalisierung für unausweichlich. Gleichzeitig hält allerdings jeder sechste Reeder (16 Prozent) das Thema für überbewertet und stimmt überein, dass sich durch die Digitalisierung zunächst nichts ändern werde.

Die Mehrheit der Befragten glaubt weder an eine Überbewertung noch an eine bevorstehende Revolution. 49 Prozent sehen sich mehr oder weniger stark von der Digitalisierung betroffen.

Starke Veränderungen erwarten die deutschen Reeder wiewohl im Bereich Unternehmens-IT und im Einkauf. Jeweils 83 Prozent von ihnen rechnen damit, dass jeder Reeder den Kunden in absehbarer Zeit digitalisierte Anwendungen zur Verfügung stellen wird und dass Rating und Kundenbewertungen für Schiffe und Reedereien im Internet im Kommen sein werden. Wie im Reisemarkt werden Endkunden künftig die Möglichkeit haben, internationale Transporte auf Internetplattformen zusammenzustellen – davon gehen drei von vier Reedern aus.

What’s next – Digitalisierung führt zu neuen Geschäftsmodellen

Nach der Marktbereinigung der letzten Jahre denken 71 Prozent der Reeder über neue Geschäftsmodelle nach. Durch die Digitalisierung in der Logistik werden ganze Wertschöpfungsketten in Frage gestellt, so die PwC-Studie. Nur etwa jedes zweite Unternehmen sieht die Zukunft mittelfristig im Erhalt des bestehenden Geschäftsmodells. Die Verunsicherung sei hoch – was dazu führe, dass sich 42 Prozent der Reedereien mittelfristig gerne mit anderen zusammenschließen würden, um ein breiteres Leistungsspektrum anbieten zu können.

Die Mehrheit der befragten Reedereien sieht die Zukunft darin, anderen Logistikunternehmen nautisches Know-how zuzuliefern. Diesbezüglich werden die Schritte hin zur erfolgreichen Digitalisierung von der Studie jedoch als zaghaft eingeschätzt. Nur jedes fünfte Unternehmen denke zum Beispiel über die Einführung einer Tracking-App nach, für knapp zwei von drei der Reedereien komme dies scheinbar nicht in Frage. Noch geringer sei der Anteil der Unternehmen, die an eine eigene Buchungs-App oder ein Buchungsportal denken.

 

Quelle Titelbild: © mf-guddyx/iStock

Hier schreibt Klaus Hauptfleisch für Sie

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