14. März 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Gesichtserkennung: Das steckt hinter der Technologie

Ob für Smartphones, am Flughafen oder sogar im Gefängnis: Die Einsatzmöglichkeiten der Gesichtserkennung sind vielfältig. Doch wie genau funktioniert diese Technologie?

Die Verbreitung der Gesichtserkennung als Authentifizierungsmethode nimmt zu. Neben professionellen Kameras und Computersystemen ist die Technologie inzwischen auch in aktuellen Smartphones von Apple oder Samsung verbaut.

Tatsächlich sind die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie zahlreich. Denn im Prinzip kann die Gesichtserkennung überall dort eingesetzt werden, wo individuelle Zugangsrechte an bestimmte Personen gebunden sind. Doch worin zeichnet sich die Gesichtserkennung aus?

Gesichtserkennung als biometrische Authentifizierungsmethode

Bei der Gesichtserkennung handelt es sich um eine biometrische Authentifizierungsmethode. Die Gesichtserkennung soll, ähnlich wie Passwörter oder PIN-Nummern, die jeweilige Person identifizieren. Verglichen mit bloßen Passwörtern ist die biometrische Authentifizierungsmethode aber deutlich besser geeignet.

Das liegt vor allem daran, dass biometrische Merkmale wie Gesicht oder Fingerabdruck bei jedem Menschen einzigartig sind. Auf diese Weise kann die Identität der jeweiligen Person auf eindeutige Weise festgestellt werden. Hingegen können Passwörter oder PIN-Nummern auch von mehreren Personen verwendet werden. Selbst bei einer richtigen Passworteingabe kann also nicht hundertprozentig gewährleistet werden, dass tatsächlich die berechtigte Person das Passwort eingegeben hat – und nicht etwa ein Hacker.

Die Gesichtserkennung als Authentifizierungsmethode ist in der Regel deshalb deutlicher sicherer als Passwörter oder PIN-Nummern.

So funktioniert die Gesichtserkennung

In einem Artikel über die Thematik beschreibt IT-Zoom detailliert, wie die Gesichtserkennung genau funktioniert. Der grobe Ablauf ist immer gleich: Eine Kamera nimmt das Bild des Benutzers auf. Davon ausgehend überprüft ein System – beispielsweise ein mobiles Endgerät oder eine Zutrittskontrollanlage – dieses Bild und erkennt im besten Fall den Benutzer.

Um die Gesichtserkennung als biometrische Authentifizierungsmethode nutzen zu können, muss als Grundvoraussetzung zunächst ein biometrischer Token (Stellvertreter) erstellt werden. Dafür werden besondere Merkmale oder Ankerpunkte erfasst. Das sind vor allem die Augen, aber auch die Nasenflügel, Augenränder sowie die Kinn- und Mundpartie. All diese Merkmale verfügen im Gesicht über bestimmte Abstände und Winkel zueinander. Diese sind bei jeder Person eindeutig und stellen den sogenannten biometrischen Token dar.

Sobald der Token einmal angelegt ist, kann er für die Authentifizierung der jeweiligen Person genutzt werden. Hierzu wird ein neues Bild aufgenommen, aus dem erneut die jeweiligen Merkmale wie Augen, Kinn oder Mund errechnet werden. Anschließend werden diese Merkmale mit denjenigen des Tokens verglichen. Im Falle einer ausreichenden Übereinstimmung wird die Identität des Nutzers bestätigt.

Einsatz der Gesichtserkennung in der Praxis

Die Bedeutung der Gesichtserkennung als sichere Methode zur Authentifzierung nimmt zu. Entsprechend häufiger wird die Technologie in der Praxis angewandt. Dabei sind die Anwendungsgebiete und der jeweils verbundene Zweck höchst unterschiedlich. Die folgenden Beispiele sind nur ein kleiner Auszug.

  • Entsperrung von Smartphones: Schon seit einigen Jahren verwenden einige Smartphones den Fingerabdruck als biometrische Authentifizierungsmethode, um so vor allem das Smartphone zu entsperren. Inzwischen wird vermehrt eine weitere Methode zur biometrischen Authentifizierung eingesetzt: die Gesichtserkennung. Ein bekanntes Beispiel ist das iPhone X, das hierfür die Face-ID-Technologie verwendet.
  • Schnellere Einlasskontrollen: Das automatisierte Grenzkontrollsystem EasyPASS soll vor allem Vielreisenden eine schnelle und bequeme Alternative zur herkömmlichen Grenzkontrolle bieten. Mit dem System haben Reisende die Möglichkeit, ihre Grenzkontrolle am Flughafen selbst zu erledigen. Hierfür scannen sie zunächst ihr elektronisches Reisedokument und werfen anschließend einen Blick in die Kamera. Mittels Gesichtserkennung wird geprüft, ob das Live-Bild mit dem Chip-Bild auf dem elektronischen Reisedokument übereinstimmt. Falls ja, ist die Einlasskontrolle abgeschlossen.
  • Einsatz im Strafvollzug: In den USA wird die Gesichtserkennung in einigen Gefängnissen als Ein- und Ausgangskontrolle genutzt – das berichtet unter anderem IT-Zoom. So soll verhindert werden, dass Personen ihre Identitäten tauschen und Häftlinge unerlaubt das Gefängnis verlassen können.
  • Autorisierung eines virtuellen Personalausweises: Hierfür wird die Gesichtserkennung aktuell in China im Rahmen eines Pilotprojekts eingesetzt  – CANCOM.info berichtete.
  • Personalisierung von Werbung: Um besser zu verstehen, wofür sich ihre Kunden interessieren, ließ die Supermarktkette Real ab Herbst 2016 in 40 Filialen die Gesichter ihrer Kunden analysieren. So wurden im Kassenbereich Kameras installiert, die den Blickkontakt der Kunden aufzeichneten. Daraufhin protestierten viele Datenschützer. Einige zeigten das Unternehmen sogar an. Als Reaktion stoppte Real die Gesichtserkennung in den Filialen wieder.

Allein das Beispiel Real zeigt: Die Gesichtserkennung wird durchaus kritisch betrachtet. Besonders Datenschützer betrachten die Technologie mit Sorge. Dabei spielt der jeweilige Einsatzzweck eine wichtige Rolle: So ist die Gesichtserkennung zu Marketingzwecken bei Datenschützern deutlich umstrittener als etwa zur Videoüberwachung, um die Sicherheit zu gewährleisten. Das schreibt unter anderem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

Welche datenschutzrechtlichen Dimensionen die Gesichtserkennung aufweist, lesen Sie hier.

Quelle Titelbild: © chombosan/iStock

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