1. März 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Cyberkriminalität: Eine neue „digitale Mafia“?

Es ist ein neues Zeitalter des organisierten Cyberverbrechens angebrochen – durchgeführt von Cyberkriminellen, die in mafiaähnlichen Strukturen organisiert sind. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie.

So sieht die Studie „The New Mafia: Gangs and Vigilantes – A Guide to Cybercrime for CEOs“ von Malwarebytes, im Kontext des klaren Anstiegs von Cyberangriffen, eindeutige Parallelen zwischen Cyberkriminellen und den Mafia-Gangs aus den 30er Jahren. Neben der professionellen Koordinierung sei unter anderem die Zielsetzung identisch: die Einschüchterung der Opfer.

Cyberattacken nehmen zu – besonders im Bereich Ransomware

Doch laut Studie ist 2017 nicht nur die bloße Häufigkeit der Angriffe angestiegen. Auch seien diese ausgereifter durchgeführt worden und hätten mehr Schaden verursacht. Konkret stellen die Studienautoren in 2017 einen Anstieg von 23 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr, fest.

Besonders dramatisch falle der Anstieg bei Ransomware-Attacken aus. Seit 2015 hätten diese um 1.982 Prozent zugenommen: von rund 16.000 Angriffen im September 2015 auf mehrere hunderttausend im September 2017.

„Der dramatische Anstieg des organisierten Verbrechens im frühen 20. Jahrhundert führte dazu, dass es ‚Mafia‘ genannt wurde und ähnelt den seit Kurzem anhaltenden Wachstum der Cyberkriminalität“, sagt Marcin Kleczynski, CEO von Malwarebytes in der Pressemitteilung des Unternehmens. „Die neue Mafia, die wir in unserem Report identifiziert haben, besteht aus vier Hauptgruppen: traditionelle Gangs, vom Staat finanzierte Angreifer, ideologische Hacker und Hacker-For-Hire, also Hacker, die sich anheuern lassen.“

Die vier Hauptgruppen der „digitalen Mafia“

Der Report führt im Detail aus, welche Merkmale die vier Hauptgruppen der „neuen Mafia“ aufweisen:

  • Traditionelle Gangs: Diese werden von der Studie als klassisches Abbild mafiöser Strukturen bezeichnet: Es handelt sich um organisiert geführte Unternehmungen, die ihre illegalen Geschäfte über das Internet erweitern oder komplett online betreiben.
  • Vom Staat finanzierte Angreifer: Laut Studie sind dies Cyberkriminelle, die von Regierungen angeheuert werden, um beispielsweise Wirtschaftsspionage zu betreiben.
  • Ideologische Hacker: Diese Hacker handeln dem Report zufolge aus Überzeugung: So sammeln und veröffentlichen sie zum Beispiel geheime Informationen, die Unternehmen oder Regierungen ihr Ansehen kosten könnten.   
  • Hacker-For-Hire: Die Studienautoren sehen dies aktuell als größte Entwicklung in der Cyberkriminalität. Demnach hat die Verbreitung des „Dark Net“ oder „Dark Web“ dazu geführt, dass eine eigene Dienstleistungsbranche für digitale, kriminelle Machenschaften entstanden ist. Als konkretes Beispiel nennt der Report unter anderem die Dienstleistung „Ransomware as a Service“: Hier können Kriminelle einen Erpressungstrojaner zielgerichtet in Auftrag geben.

Um als Unternehmen in dieser Situation „zurückzuschlagen“, sieht die Studie die Notwendigkeit, Wissen zu teilen und sich proaktiv zu verteidigen. Gehackte Unternehmen dürften nicht an den Pranger gestellt werden. Im Gegenteil: Laut Report sollte man aktiv mit diesen arbeiten – um so zu lernen, wie derartige Angriffe aufgehalten werden können.

Übrigens: Die Studienautoren von Malwarebytes sind nicht die Einzigen, die im Zusammenhang mit Cyberkriminalität den Begriff „Mafia“ verwenden. Unter anderem schrieb Forbes bereits im Jahr 2015: „Cybercrime Is The Modern-Day Mafia“ (Cyberkriminalität ist die moderne Mafia). In dem Artikel beschreibt das Wirtschaftsmagazin die Ähnlichkeit der organisierten Kriminalität mit der „altmodischen“, klassischen Mafia.

Quelle Titelbild: © gorodenkoff/iStock

Hier schreibt Daniil Matzkuhn für Sie

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