Der Algorithmus: Unkenntnis, Unentschlossenheit und Unbehagen

Internetnutzer googeln Informationen, surfen auf Facebook oder bekommen für sie zugeschnittene Werbung angezeigt: Algorithmen bestimmen unser Leben in vielen Situationen. Sie begegnen uns täglich – sowohl privat als auch beruflich – und sind aus der digitalen Welt nicht mehr wegzudenken. Trotzdem wissen laut aktueller Studie nur wenige, in welchen Bereichen Algorithmen eingesetzt werden und welche Macht sie haben.

Algorithmen werden heute in den unterschiedlichsten Bereichen verwendet. Dabei können sie komplexe Aufgaben, wie das Steuern eines autonomen Roboters oder das Anzeigen von Suchergebnissen bei Google, übernehmen.

Was ist ein Algorithmus?

Algorithmen begegnen uns jeden Tag – oft auch unbewusst. Vereinfacht erklärt ist ein Algorithmus eine Folge von Anweisungen, die Schritt für Schritt ausgeführt werden, um ein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu bewältigen. Dabei werden in einzelnen Schritten die Eingabedaten in Ausgabedaten umgewandelt.

Moderne Algorithmen sind in der Lage, wie Menschen selbständig zu lernen, beispielsweise anhand von Erfahrungen. Das sogenannte Machine Learning hat mittlerweile eine solche Qualität erreicht, dass sich moderne Algorithmen immer besser weiterentwickeln können – und das völlig autonom.

Vor allem in der Informatik und Mathematik spielen Algorithmen eine bedeutende Rolle, da diese die komplexe Problemlösung durch Rechenmaschinen ermöglichen. So nutzt etwa Google komplexe Formeln, um die Relevanz einer Webseite für das eingegebene Suchwort zu bestimmen. Allerdings herrscht in Deutschland noch immer eine große Unwissenheit über Algorithmen.

Unbehagen gegenüber Algorithmen ist groß 

Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, in deren Rahmen untersucht wurde, was die deutsche Bevölkerung über Algorithmen denkt und weiß. Das Ergebnis: Unkenntnis, Unentschlossenheit und Unbehagen. Viele der Befragten befürchten, dass Algorithmen zu viel Macht über Menschen und deren Entscheidungen bekommen und sich Algorithmen leicht manipulieren lassen.

Es wird ersichtlich: Nur 13 Prozent der Befragten denken, dass Algorithmen gerechtere Entscheidungen treffen als Menschen. So unterstützen 73 Prozent der Studienteilnehmer ein Verbot von vollautomatisierten Entscheidungen.

Ferner zeigen die Studienergebnisse, dass ein besseres Verständnis der Funktionsweise algorithmischer Entscheidungen zu einer positiven Einstellung führt und auch die Ablehnung gegenüber Algorithmen dadurch abnimmt. Diese Befragten – rund die Hälfte der Studienteilnehmer – definieren den Algorithmus als präzises, zeitsparendes Hilfsmittel.

Besonders positiv werden Algorithmen von Befragten dann beurteilt, wenn sie sich vorstellen können, wie ein Algorithmus funktioniert und den generellen technologischen Fortschritt als Chance sehen. Das Alter spielt hierbei keine Rolle – anders als das Geschlecht: Männer erkennen die Vorteile von Algorithmen im Rahmen der Studie eher als Frauen.

Viele Menschen wissen der Untersuchung zufolge allerdings nicht, in welchen Bereichen Algorithmen eingesetzt werden.

Das sind die Einsatzgebiete von Algorithmen

Tatsächlich ist das Einsatzgebiet von Algorithmen vielseitig. Das digitale Leben ist oft abhängig von Algorithmen, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Viele Studienteilnehmer wissen, dass ein Algorithmus hinter der individuell angezeigten Werbung von Internetnutzern steckt, oder Algorithmen bei der Gesichtserkennung bei der Videoüberwachung eingesetzt werden.

Es gibt aber auch Anwendungsbereiche, die weitgehend unbekannt sind. So zeigt die Studie beispielsweise, dass Algorithmen in Bewerbungsverfahren eingesetzt werden, um eine Vorauswahl an Bewerbern zu definieren. Die Polizei identifiziert mithilfe von Algorithmen Gebiete, in denen die Einbruchswahrscheinlichkeit besonders hoch ist. Auch werden Algorithmen bei Krankheitsdiagnosen durch bestimmte Symptome oder in der Justiz, bei der Beurteilung von Rückfallwahrscheinlichkeiten von Straftätern, verwendet.

Was bringt die Zukunft?

Die Studie kommt zu dem Fazit, dass vieles dafür spricht, dass Algorithmen in Zukunft noch mehr Routineaufgaben übernehmen und weiter an Einfluss gewinnen werden. Daraus würden sich auch deutliche gesellschaftliche Veränderungen ergeben, die die Menschen in ihrem Alltag konkret betreffen.

Es sei deshalb höchste Zeit, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen: „Jeder Bürger braucht Digitalkompetenz, denn wir alle sind regelmäßig und direkt von algorithmischer Entscheidungsfindung betroffen“, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Quelle Titelbild: © geralt/Pixabay

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