13. Juli 2018 | pArtikel drucken | kKommentieren

Virtual und Augmented Reality in Unternehmen auf dem Vormarsch

Viele Unternehmen aus der Digitalen Wirtschaft haben vor, in Zukunft Virtual Reality (VR)- und Augmented Reality (AR)-Technologien zu nutzen. Das hat eine aktuelle Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) ergeben. Dabei wird Augmented Reality ein höherer Stellenwert zugewiesen.

Unter den 114 in der Studie befragten Marketing-Experten, die bei Mitgliedsunternehmen des Verbandes arbeiten, sehen fast die Hälfte (49 Prozent) in AR größeres Potenzial für ihren Betrieb als in VR. Nur jeder Fünfte vertritt die Meinung, dass VR größeres Potenzial birgt. 30 Prozent beurteilen die Bedeutung der beiden Technologien gleich.

Ursprünglich im Gaming-Bereich angesiedelt, hätten sich beide Technologien längst im Unternehmensumfeld emanzipiert. Dies treffe vor allem auf den Bereich AR zu:

„Während VR noch immer sehr stark mit Entertainment-Angeboten verknüpft wird, hat AR vor allem im professionellen Einsatz schon sehr stark Einzug erhalten“, wird Maik Herrmann (Publicis), Vorsitzender der Fokusgruppe Virtual und Augmented Reality im BVDW, in der offiziellen Pressemitteilung des Verbandes zitiert. „Doch es zeichnet sich deutlich ab, dass beide Technologien in den allermeisten Unternehmen eine wichtige Rolle spielen werden.“

Die Anwendungsszenarien sind umfangreich

Die Möglichkeiten für Unternehmen, VR- und AR-Technologien einzusetzen, sind zahlreich – das betont der BVDW. Laut Studie verwenden 27 Prozent der befragten Unternehmen bereits VR-Filme in 360 Grad, 23 Prozent planen dies für die Zukunft. Die klassische Anwendung von AR, also Informationen in Echtzeit in ein Live-Bild einzuspielen (Realtime Information), würden aktuell zwar nur 13 Prozent nutzen. Fast jedes dritte Unternehmen gibt jedoch an, diese Anwendung künftig verwenden zu wollen.

Vor allem die AR-Technologie würde auf großes Interesse stoßen. Für Maik Herrmann steht fest: Die Investitionen in VR- und AR-Technologien, die bisher bei durchschnittlich 70.000 Euro im Jahr liegen, werden stark ansteigen. „VR wie AR mussten sich als businesstaugliche Technologien erst beweisen – und das haben sie inzwischen eindrucksvoll. Hier werden schon bald ganz andere Budgets abgerufen werden.“

Tatsächlich können viele Branchen VR- oder AR-Technologien in ihrem Betrieb einsetzen. Dadurch ergeben sich zahlreiche Mehrwerte: von präziseren Operationen bis zu höherer Kundenzufriedenheit.

Virtual und Augmented Reality: Das sind mögliche Anwendungen

Doch wie lassen sich VR- und AR-Technologien nun konkret nutzen? CANCOM.info präsentiert Beispiele aus ganz unterschiedlichen Branchen.

Gesundheitswesen: Das Beispiel Chirurgie

Bild: © metamorworks/stock.adobe.com

Virtual Reality: Operationen sind eine komplexe Angelegenheit, die viel Übung und ein Höchstmaß an Präzision erfordern – dies ist vor allem bei riskanten chirurgischen Eingriffen der Fall.

Die VR-Technologie kann etwa angewandt werden, um Ärzte auf reale chirurgische Eingriffe vorzubereiten. Denn so lassen sich Operationen virtuell simulieren, trainieren und planen. Außerdem ist es durch Virtual Reality möglich, Operationen erlebbar zu machen: Man ist quasi, wenn auch virtuell, „live“ dabei.

Augmented Reality: Auch AR-Technologie kann für Operationen eingesetzt werden – zum Beispiel mithilfe spezieller Datenbrillen. Während einer Operation ist es so möglich, dem Arzt etwa wichtige Echtzeitkörperdaten des Patienten direkt in sein Sichtfeld und nicht auf einen extra Monitor, einzublenden. Auf diese Weise muss der Arzt den Blick nicht abwenden.

Komplexere und technisch aufwendigere Anwendungen von AR für die Chirurgie werden aktuell erforscht. Ein Beispiel dafür ist, dem Arzt während einer Operation über seine Datenbrille dreidimensionale Bilder des Körperinneren des real vor ihm liegenden Patienten einzublenden – von der Haut bis zu den Knochen. An welchen Stellen er operieren muss, soll in der Datenbrille auf dem Bildschirm markiert werden. Dies soll dem Arzt ermöglichen, die Operation noch präziser durchzuführen.

Industrie: Das Beispiel Maschinenbau

Virtual Reality: Um eine Maschine zu bauen, entwerfen Ingenieure oder Maschinenbauer in der Entwicklungsphase traditionell Skizzen oder Modelle auf Papier. Das Problem: Diese sind eindimensional gestaltet – und damit für andere Mitarbeiter unter Umständen schwer vorstellbar.

Hier kommt die VR-Technologie ins Spiel: Über eine VR-Brille kann ein Mitarbeiter die geplante, „fertige“ Maschine virtuell als 3D-Visualisierung betrachten – wodurch er einen genauen Eindruck davon bekommt, wie die Maschine in der Realität aussehen wird. Besonders bei komplexen Projekten kann dies helfen, potenzielle Herausforderungen oder Probleme schnell zu identifizieren und entsprechend frühzeitig zu handeln.

Augmented Reality: Die AR-Technologie lässt sich etwa anwenden, um Monteure bei ihrem nächsten Arbeitsschritt an einer Maschine zu unterstützen. So können diese Schritte während der Arbeit digital, direkt in das Sichtfeld des jeweiligen Monteurs, eingeblendet werden. Zum Beispiel in Form von Zusatzinformationen oder auch virtueller Objekte.

So weiß der Monteur genau, was zu tun ist – wodurch er die Maschinenmontage schneller und effizienter umsetzen kann.

Einzelhandel: Das Beispiel Bekleidungsgeschäft

Bild: © supparsorn/stock.adobe.com

Virtual Reality: Mit der VR-Technologie können Bekleidungsgeschäfte ihren Kunden unter anderem virtuelle Umkleidekabinen anbieten. Um dorthin zu gelangen, muss der Kunde lediglich eine VR-Brille aufsetzen. In der Kabine selbst bekommt er die Möglichkeit, zuvor ausgewählte Produkte „anzuprobieren“.

Im Idealfall kann er sogar Fotos von den Produkten schießen und die Meinung seiner Freunde über Social Media abfragen. Dabei lassen sich beliebig viele Produkte auf einmal mitnehmen und anprobieren. Bei einer echten Umkleidekabine ist das, allein aus Platzgründen, nicht möglich.

Augmented Reality: Bekleidungsgeschäfte, die die AR-Technologie implementiert haben, können ihre Produkte etwa mit digitalen Zusatzinformationen verknüpfen. Um diese Informationen abzurufen, muss der Kunde nur die Kamera seines Mobilgeräts auf das jeweilige Produkt richten.

Daraufhin werden nützliche Informationen auf dem Bildschirm seines Smartphones oder Tablets angezeigt. Gibt es das Produkt zum Sonderangebot? Welche Größen sind noch auf Lager? Für die Kaufentscheidung kann dies für den Kunden eine große Hilfe sein.

Quelle Titelbild: © Fxquadro/stock.adobe.com

 

 

Hier schreibt Christian Schinko für Sie

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