12. März 2019 | pArtikel drucken | kKommentieren

Deutschen Unternehmen fehlt klare KI-Strategie

Im Vergleich zu China oder den USA gilt Deutschland als Nachzügler beim Thema Künstliche Intelligenz (KI). Doch wieso ist das der Fall? Eine aktuelle Deloitte-Studie liefert Antworten. Ein zentraler Grund ist demnach, dass viele Unternehmen in Deutschland keine umfassende KI-Strategie entwickelt haben.

Unternehmen aus den sechs Vergleichsmärkten USA, Großbritannien, China, Frankreich, Kanada und Australien seien schon weiter: Laut Studie verfügen 35 Prozent der Firmen in diesen Ländern über eine umfassende, detaillierte und unternehmensweite KI-Strategie. In Deutschland seien es nur 26 Prozent.

Den Marktforschern zufolge liegt das Problem in deutschen Firmen häufig darin, dass KI-Strategien auf Abteilungsebene umgesetzt werden – anstatt unternehmensweit. So würden 27 Prozent eine Strategie in ihrer Abteilung verwirklichen, ohne den Gesamtbetrieb zu berücksichtigen. 4 Prozent der Befragten geben an, auf eine Strategie zu verzichten. Diese Minderheit würde sich auf kurzfristige Maßnahmen beschränken, um KI-Technologien auf Abteilungsebene oder darunter einzuführen.

Eine wichtige Ursache für den Rückstand sei mangelhaftes Vertrauen: Laut Studie betrachten viele Firmen in Deutschland das Thema KI mit Sorge. Diese Bedenken kämen vor allem zum Ausdruck, wenn es um Cyberbedrohungen geht. Zum Beispiel werde befürchtet, dass sensible Daten gestohlen werden.

KI-Experten dringend gesucht

Erschwerend komme der Fachkräftemangel hinzu: Laut Studie beklagen 62 Prozent der Befragten in Deutschland fehlende KI-Skills. Mehr als jedes fünfte deutsche Unternehmen identifiziert sogar große Schwächen in diesem Bereich.

Neben KI-Entwicklern und Data Scientists seien vor allem Change-Management und Transformation-Skills gefragt. Denn wie die Marktforscher betonen, führt Künstliche Intelligenz zu einer grundlegenden Transformation der Arbeitswelt.

Deutsche Unternehmen setzen auf Process Robotics

Trotz des Rückstands deutscher Unternehmen im KI-Bereich sehen die Marktforscher von Deloitte noch keinen Grund zur Panik: „Der KI-Standort Deutschland ist eindeutig noch nicht ‚abgehängt‘. Deutsche Unternehmen haben den Mehrwert von Künstlicher Intelligenz für die eigenen Produkte und Dienstleistungen, aber auch für interne Abläufe erkannt und sind die ersten Schritte erfolgreich gegangen“, so Milan Sallaba, Partner und Leiter Technology Sector von Deloitte, in der offiziellen Pressemitteilung des Unternehmens.

Laut Studie loten Firmen in Deutschland bereits die Möglichkeiten der KI-Technologie aus – von Process Robotics, Machine Learning, Deep Learning bis zu Cobots. Besonders häufig komme Process Robotics zum Einsatz: Hier automatisiert eine Software mittels KI einfache, sich wiederholende Prozesse. Demnach nutzen 67 Prozent der deutschen Unternehmen diese Technologie. In den sechs Vergleichsmärkten seien es nur 49 Prozent.

„Es ist erfreulich, dass es bei der Anwendung von KI-Technologien in deutschen Unternehmen keine generellen Lücken gibt. Alle Varianten Künstlicher Intelligenz kommen zum Einsatz“, wird Sallaba in einem t3n-Artikel zitiert. Dennoch müssten deutsche Firmen das Thema KI weiter vorantreiben: „Unternehmen haben die Ressourcen und sind aufgerufen, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden und KI-Lösungen zu entwickeln, die Ängste und Befürchtungen ernst nehmen und ihnen ein positives Ergebnis entgegenstellen“, so Sallaba.

Quelle Titelbild: © geralt/pixabay.com

Hier schreibt Christian Schinko für Sie

Mehr Artikel vom Autor

Lesen Sie weiter auf CANCOM.info