21. Februar 2020 | pArtikel drucken | kKommentieren
Markus Fabritz (Solution Sales, Industrial Solutions, CANCOM) im Interview

Schnelle Behebung von Störungen: Das ermöglicht Augmented Reality (AR) in der Industrie

Der Einsatz von Augmented Reality (AR) ist längst nicht mehr auf den Gaming-Bereich beschränkt. So nutzen immer mehr Unternehmen die AR-Technologie in ihrem Betrieb. Auf der INSPERIENCE Expo & Conference am 18. und 19. März 2020 zeigt Markus Fabritz (Solution Sales, Industrial Solutions, CANCOM) auf, wie sich die AR-Technologie in der Industrie anwenden lässt. Die Redaktion von CANCOM.info hat ihn im Vorfeld zum Interview getroffen.

CANCOM.info: Laut einer aktuellen Studie von IDG Research Services und PTC setzen Unternehmen zunehmend auf die Nutzung von AR-Technologie. Auf der INSPERIENCE Expo & Conference stellen Sie die Technologie im industriellen Umfeld vor. Wieso ist die Technologie für Industrieunternehmen relevant?

Markus Fabritz: Die AR-Technologie ist besonders relevant, wenn es darum geht, bei Servicefällen schnell zu reagieren und unnötige Serviceeinsätze zu vermeiden. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Kunde kauft eine Maschine, die zunächst einwandfrei funktioniert. Irgendwann tritt aber eine Störung auf, die die Produktion beeinträchtigt und die er alleine nicht beheben kann. Aus diesem Grund kontaktiert er den Hersteller der Maschine. Doch E-Mail und Telefon reichen nicht aus, um das Problem zu lösen. In solchen Fällen schickt der Hersteller in der Regel einen Experten vor Ort hin, der die Situation überblicken und die Störung beheben kann. Mit der AR-Technologie ändert sich das.

CANCOM.info: Der Experte muss also nicht mehr vor Ort sein?

Markus Fabritz: Genau. Mit dem Einsatz von AR-Technologie hat der Experte die Möglichkeit, einen Service Techniker, der sich vor der betroffenen Maschine befindet, nicht nur mittels Sprache zu leiten – wie am Telefon – sondern diesen auch visuell zu unterstützen. Und zwar von jedem Standort aus. Indem der Techniker eine Datenbrille trägt, sieht der Experte mit den Augen des Technikers. Sobald der Experte die Störung identifiziert hat, kann er dem Techniker den genauen Standort visuell erkennbar machen. Das funktioniert zum Beispiel, indem er das fehlerhafte Bauteil virtuell einkreist. Der Techniker sieht diesen Kreis über seine Datenbrille, kann das Bauteil sofort ausmachen und, falls nötig, austauschen. Anschließend läuft die Maschine wieder ohne Probleme.

CANCOM.info: Folglich kann der Kunde seine Produktion mit dem Einsatz von AR-Technologie in kurzer Zeit wieder zum Laufen bringen.

Markus Fabritz: Richtig, und dadurch spart er Geld, weil sich die finanziellen Auswirkungen durch den Produktionsausfall in Grenzen halten. Doch nicht nur der Kunde profitiert wirtschaftlich, sondern auch der Hersteller. Dies liegt daran, dass der Experte in vielen Fällen ein Problem ortsunabhängig lösen kann. So entfällt ein Großteil der Reisekosten.

CANCOM.info: Sie zeigen die AR-Technologie auf der INSPERIENCE Expo & Conference ja nicht nur in der Theorie, sondern auch im praktischen Einsatz. Was erwartet die Besucher konkret?

Markus Fabritz: Die Besucher können sich eine Datenbrille aufsetzen und in die Rolle eines Service-Technikers vor Ort versetzen. Dafür verwenden wir unter anderem die Moverio BT-350-Datenbrille von Epson. Anschließend gibt ein Experte den Besuchern konkrete Anweisungen. Das Ziel dieser Live-Demo ist, den Besuchern die Vorteile der Datenbrille in Zusammenspiel mit einer Remote Service-Software, dem technischen Bindeglied zwischen dem Experten und dem Service-Techniker, aufzuzeigen. Wie wir das genau umsetzen, möchten wir allerdings noch nicht verraten. Kommen Sie einfach auf die INSPERIENCE Expo & Conference und lassen Sie sich überraschen (lacht).

CANCOM.info: Sie haben die Moverio BT-350 Datenbrille von Epson angeprochen. Welche Eigenschaften dieser Datenbrille sind für Firmen besonders interessant?

Markus Fabritz: Eine der besonders für das Serviceumfeld nützlichen Eigenschaften der Moverio ist, dass man digitale Inhalte in das Sichtfeld des Trägers einblenden kann. So sieht der Techniker beispielsweise eine Maschine vor sich stehen und in seinem Sichtfeld erscheinen passende Informationen wie Berichte, Pläne oder vergleichbares. Zudem verfügt die Datenbrille über ein Touchpanel zur einfachen Bedienung. Nicht zuletzt gewährleistet ein leistungsstarker Intel-Prozessor, dass alle Applikationen flüssig laufen.

CANCOM.info: Wie kann CANCOM Industrieunternehmen dabei unterstützen, die AR-Technologie im Betrieb einzuführen?

Markus Fabritz: Wir als CANCOM bieten einen Full Service an. Im ersten Schritt erarbeiten wir gemeinsam mit dem Kunden in einem Anforderungsworkshop, was er mithilfe der Datenbrille erreichen möchte. Das ist nämlich die Grundlage, um die passende Datenbrille inklusive Remote Service-Software zu identifizieren. Anschließend helfen wir den Kunden bei der Einführung der Technologie. Damit diese bestmöglich funktioniert, unterstützen wir hier gerne im Bereich Change Management.

CANCOM.info: Wie wird sich die Technologie im Unternehmensumfeld weiterentwickeln?

Markus Fabritz: Neben der beschriebenen Kommunikation zwischen Experte und Service-Techniker zur Problemlösung wird die AR-Technologie künftig auch im Bereich Workflow Management zum Einsatz kommen. Unter Workflow Management versteht man, einem Anwender Schritt für Schritt-Anleitungen in Bild-, Text- und Videoformat bereitzustellen. Diese Anleitungen erscheinen dann auf dem Display seiner Datenbrille. Dafür muss er beispielsweise mit seiner Brille einen QR-Code abscannen. Dies ist etwa sinnvoll, wenn ein Fehler bei einer Maschine auftritt. So kann ein Service-Techniker genau den Workflow abrufen, der in dieser Situation nötig ist – und so den Fehler schnell beheben.

Hintergrund zum Experten

Bild: © CANCOM

Markus Fabritz ist bei CANCOM im Bereich Industrial Solutions tätig. In seiner Position beschäftigt er sich täglich mit Themen rund um die Digitalisierung in der Industrie. Auf der von CANCOM veranstalteten INSPERIENCE Expo & Conference, die am 18. und 19. März 2020 stattfindet, zeigt er den praktischen Einsatz der AR-Technologie im industriellen Umfeld.

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Quelle Titelbild: © CANCOM

Hier schreibt Christian Schinko für Sie

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