So schaffen Sie eine stabile Konnektivität im Home Office

Sie ist ein zentrales Kriterium, damit die Arbeit aus dem Home Office zuverlässig funktioniert: die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit des Heimnetzwerks. Im Gastbeitrag schildert Experte Nico Schwarz (Solution Architect CANCOM), wie Sie eine stabile Internetverbindung herstellen können.

Im Home Office kommt der Verfügbarkeit und Geschwindigkeit des eigenen Internets als „Nabelschnur“ zum Unternehmen eine noch größere Bedeutung zu als sonst. Jeder kennt die Erfahrung, dass „das Internet zu langsam ist“. In diesem Artikel möchte ich einige Hilfestellungen geben, die dabei unterstützen sollen, mögliche Flaschenhälse zu identifizieren und so eine bessere Konnektivität im Home Office zu erreichen. Dafür werde ich vielfältige Aspekte kurz beschreiben, die in diesem Kontext eine Rolle spielen: vom Provider über die Hausverkabelung bis hin zu WLANs und alternativen Ergänzungen.

Mein Ziel ist es, dass jeder seine eigenen Gegebenheiten zu Hause vor den genannten Hintergründen durchdenken kann und konkrete Anhaltspunkte bekommt, um bei Bedarf weiter zu recherchieren.

Wenig direkte Einflussmöglichkeiten: Der Internetprovider

Bis unser Computer tatsächlich einen Server im Internet erreicht, spielen mehrere Komponenten und Parteien eine Rolle. Allen voran natürlich der Internet Provider, der uns einen Zugang bis in das Haus zur Verfügung steht. Je nach Technik benutzen die Internet Provider für den kabelgebundenen Internetzugang eine sogenannte „Hub and Spoke“ Architektur.

Das bedeutet, dass ein Knotenpunkt über eine, im Optimalfall starke, Glasfaseranbindung an das lokale und schließlich überregionale Backbone-Netz des Anbieters angebunden ist. Der erste Verteilerknoten, an den unsere Hausanschlüsse angebunden sind, ist im Regelfall einer der bekannten „grauen Kästen“ im Ort, nicht zu weit vom eigenen Haus entfernt. Man erkennt die modernen Einheiten auch daran, dass sie extra Lüftungsschlitze aufweisen, um eine aktive Kühlung der Hardware zu ermöglichen. Hier liegen manchmal auch Flaschenhälse begraben, die sich besonders im ländlichen Raum bemerkbar machen.

Wenn beispielsweise der Verteiler eines Dorfes mit einer 1 Gbit/s angeschlossen ist, und von dort 100 Haushalte mit jeweils 100 Mbit/s Anschlüssen versorgt werden, können nicht alle Haushalte gleichzeitig die volle Bandbreite erhalten. Die Anbieter betreiben hier oft sogenanntes „Overcommitment“. Das macht sich meist nicht bemerkbar, solange nicht zu knapp kalkuliert wurde oder Lastspitzen auftreten. Wenn nun jedoch überdurchschnittlich viele Haushalte im Home Office sind, kann es dazu führen, dass man nicht mehr die gewohnte Geschwindigkeit geliefert bekommt, sondern weniger. Auch das ist in den meisten Fällen kein Problem, da selbst eine 50 Mbit/s Verbindung für Home Office-Anwendungen mehr als ausreicht.

Ein wirkliches Problem tritt meiner Erfahrung nach aktuell nur in ländlichen Regionen auf, in denen schon die Orte mit schwachen Verbindungen ausgestattet sind. Sollte tatsächlich die schwache Anbindung des Ortes ein Flaschenhals sein, ist dies kurzfristig kaum zu ändern. Es gibt jedoch Stellschrauben, die man direkt beeinflussen kann.

Überprüfen der Bandbreite

Dazu zählt das hausinterne WLAN. Häufig geht viel Leistung am eigenen Hausnetz verloren. Daher sollte man prüfen, ob die Systeme, die wirklich auf stabile Verbindungen angewiesen sind, nicht direkt per Netzwerkkabel angeschlossen werden können. Dadurch beseitigt man sofort viele Störquellen.

Mit einem Gerät, das direkt per Netzwerkkabel an den Router angeschlossen ist, lässt sich auch die eigene Internetanbindung messen – und zwar mit einer viel höheren Genauigkeit als über WLAN. So lässt sich mit mehreren Messungen überprüfen, ob der eigene Anschluss regelmäßig eine zu geringe Bandbreite zur Verfügung hat. Hier gilt zu beachten, dass der eigene Router und eigene PC keine geringere Netzwerkgeschwindigkeit bieten darf als der Hausanschluss. Wer zum Beispiel noch ältere Geräte mit nur 100 Mbit/s Ports verwendet, kann keine 150 Mbit/s Anschlüsse messen.

Eine verlässliche Messung der aktuell zur Verfügung stehenden Bandbreite ist mit diversen Apps und Programmen möglich – auch über den Browser. Einer der größten Anbieter ist der Ookla Speedtest. Auch die Bundesnetzagentur bietet Dienste und Apps zur Breitbandmessung.

Sofern es unmöglich ist, ein Gerät für die Geschwindigkeitsmessung per Kabel an den Router anzuschließen, lässt sich dafür auch das Smartphone und die entsprechende App nutzen. Tatsächlich reicht dies häufig aus. Hierzu muss man sich in den Nahbereich vor dem Router begeben – am besten ohne Störquellen, Wände oder Objekte dazwischen. Ebenfalls sollte während der Messung möglichst wenig Verkehr im eigenen Netzwerk sein, also niemand parallel surfen oder streamen.

Einfluss der Hausverkabelung

Wenn es um die Ursache von Bandbreitenverlusten geht, unterschätzen viele die eigene Hausverkabelung. Gerade in älteren Mehrparteien-Gebäuden sind oft noch veraltete Telefonkabel oder Koaxialkabel für die TV Anschlüsse verbaut. Sie bilden die Strecke zwischen dem Router in der Wohnung und dem Hausanschluss des Providers.

An dem Ort, wo der Hausanschluss in das Gebäude geführt wird, sitzt häufig auch die Technik des Internetanbieters: der APL (Abschlusspunkt Linientechnik). Der APL verarbeitet das Signal des Anschlusses und teilt dieses ggf. für mehrere Parteien im Haus auf. Beziehungsweise erfolgt eine Umwandlung, um das Signal über die Verkabelung im Haus an den Router zu schicken.

In älteren Gebäuden sind die Telefonanschlüsse, wie auch die TV Koaxialkabel, nur unzureichend abgeschirmt oder schlicht gealtert, sodass sie für die Anbindung moderner Netzwerktechnik nicht geeignet sind. Auch die Art, wie die Kabel verlegt wurden, spielt eine Rolle. Um zum Beispiel Kabel zu sparen, wurden häufig mehrere Telefondosen in verschiedenen Räumen an ein Telefonkabel, womöglich sogar an die gleichen Aderpaare, angeschlossen. Im Extremfall teilen sich mehrere Wohnungen ein gemeinsames mehradriges Kabel, was die Länge der Leitung unnötig erhöht und somit die Signalqualität verschlechtert.

Grundsätzlich sollte es ein direktes Verbindungskabel vom Router bzw. der zugehörigen Anschlussdose (Koaxial oder Telekommunikations-Anschluss-Einheit, kurz TAE) zum APL geben – ohne Umweg über mehrere Wohnungen oder mehrere Telefon / TV Dosen. Es sollte nicht zu alt sein, eine moderne Abschirmung besitzen und für die verwendete Technologie geeignet sein.

Eine genaue Analyse der Hausverkabelung kann ein Techniker des eigenen Internetproviders vornehmen. In der Regel geschieht dies beim Einrichten des Anschlusses im Haus. Weitere Hinweise kann eine Sichtprüfung der Kabel liefern. Sind alte Telefonkabel im Einsatz? Womöglich noch mit dem Logo der Bundespost? Ist der Schutzmantel schon brüchig und alt? Liegen die Kabel ggf. zusammen mit anderen wie beispielsweise Stromkabeln? Kreuzen sich besonders viele andere Kabel, welche eine Signalstörung verursachen könnten? Sollten hier Hinweise auf Fehler gefunden werden, kann ein Techniker des Providers eine Messung im Haus vornehmen, Maßnahmen vorschlagen und ggf. auch umsetzen.

VDSL Techniken

Eine besonders hohe Bedeutung kommt der Hausverkabelung zu, wenn es um die modernen VDSL Techniken mit Supervectoring geht. Diese werden aktuell für die modernen Anschlüsse mit hohen Geschwindigkeiten über das Telefonnetz angeboten. Die dadurch erzielten, hohen Geschwindigkeiten benötigen exakt abgestimmte Technik, um ihr Potential zu entfalten, und können leicht gestört werden. So kommt es hier nicht nur darauf an, die Kabel gut abzuschirmen – vom Hausanschluss / APL bis zum Router/Modem. Auch die Verseilung (umgangssprachlich „Verdrillung“) der Adern innerhalb des Kabels spielt eine Rolle.

Sollte man also auf einen modernen schnellen VDSL Anschluss wechseln, oder den Verdacht haben, dass die Geschwindigkeit des Anschlusses nicht stabil genug bzw. zu niedrig ist, lohnt es sich, einen Techniker des Providers die Hausverkabelung überprüfen und ggf. tauschen zu lassen. Besonders ältere Telefonkabel im Haus können Fehler verursachen. Und selbst die verwendete TAE Dose (die „Telefondose“) an der Wand bzw. deren Widerstände / Signaldämpfung kann die gelieferte Geschwindigkeit massiv beeinflussen. Nicht alle Anbieter wechseln diese Dosen auch mit. Allerdings können Techniker häufig eine Empfehlung abgeben. Wenn man Glück hat, haben sie die richtigen Anschlussdosen zufällig dabei.

Bei VDSL und VDSL mit Supervectoring werden Störeinflüsse gemessen und ausreguliert. Bei der Verwendung einer falschen Verseilung der Kabel, schlechten TAE Dosen oder langen Wegen funktioniert diese Technik nur bedingt. Daher spielt hier die Hausverkabelung eine besondere Rolle.

Quality of Service im eigenen Netz

Was einzelne selbst beeinflussen können, ist die Optimierung des eigenen Netzwerks im Haus. Hier gibt es oft großes Optimierungspotential. Manche Router unterstützen zum Beispiel „Quality of Service (QoS)“-Einstellungen. Damit lassen sich einzelne Geräte oder Datenarten einer gewissen Mindestbandbreite bzw. maximalen Bandbreite auf dem Internetanschluss zuweisen. Weiterhin ist es möglich, Geräte als „priorisiert“ zu kennzeichnen, sodass der Datenfluss dieses Gerätes bevorzugt behandelt wird und andere Geräte nur die Leistung bekommen, die „übrig bleibt“.

In diesem Kontext lohnt sich ein Blick in die Fähigkeiten des eigenen Routers. So könnte etwa der Arbeitsrechner bevorzugt behandelt werden, und Smartphones und Tablet nachrangig. Damit ist zwar die „Netzneutralität“ im eigenen Haushalt nicht mehr gegeben. Bei begrenzter Bandbreite kann diese Maßnahme jedoch dazu beitragen, die Qualität des Heimnetzwerks zu verbessern.

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Übersicht dieses Artikels:
  1. SEITE 1: Faktor Internetprovider, Überprüfung der Bandbreite, Einfluss der Hausverkabelung und Quality of Service
  2. SEITE 2: WLAN-Signalstärke, Störquellen und Reichweite sowie Ergänzungen zur WLAN-Verbindung

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