„Die Sprache der Maschinen übersetzen“

In seiner annähernd hundertjährigen Geschichte setzte der Werkzeughersteller Marbach schon immer auf innovative Technologien. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts? Laut geschäftsführendem Gesellschafter Peter Marbach ist es die Schnelllebigkeit. Denn diese verhindert zunehmend, dass sich ein Expertentum zu Maschinen und Werkzeugen über längere Zeiträume aufbauen kann. Um das erforderliche, tiefgehende Know-how dennoch nutzen zu können, übersetzt Marbach nun die „Sprache der Maschinen und Werkzeuge“. Dafür nutzt das Unternehmen digitale Lösungen wie Sensoren, Datenverarbeitung sowie ein umfangreiches Dashboard zur Visualisierung.

30. September 2020

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Moritz Kramer

Lesedauer: ca. 4 Min.

Video: © CANCOM/vimeo.com

Seit der Gründung 1923 setzt Marbach bei der Produktentwicklung auf neueste technische Innovationen. Heute ist das Unternehmen ein weltweit gefragter Werkzeughersteller. Mit den Werkzeugen von Marbach werden Verpackungen produziert, die unser tägliches Leben begleiten. Dazu zählen unter anderem Stanzwerkzeuge für Faltschachteln, Thermoformwerkzeuge für Kunststoffbecher und Werkzeuge für die Prägung der Brailleschrift, etwa auf Medikamentenverpackungen.

„Wir müssen die Sprache der Maschinen für uns übersetzen“

An der Spitze des Familienunternehmens steht seit Ende der Achtzigerjahre der Enkel des Gründers, Peter Marbach. Wenn er von der Geschichte der Firma erzählt, erzählt er auch davon, wie sich die Realität seiner Kunden geändert hat.

„Früher gab es den alten Meister, der hat die Türe zur Fertigung aufgemacht und genau gewusst: Der Maschine hinten links, der geht’s nicht gut.“ Aber die Welt hat sich verändert, ist schnelllebiger geworden, stellt Peter Marbach fest. Expertentum könne sich oftmals nicht mehr aufbauen.

Marbach drehte daher den Spieß um: „Wir müssen die Sprache der Maschinen und Werkzeuge für uns übersetzen und zwar so, dass sie auch ein Nicht-langjähriger-Experte versteht.“ Diese Übersetzung sollte mit digitalen Hilfsmitteln erfolgen.

Im Zentrum der Digitalisierung steht der Kunde

Peter Marbach betont außerdem, dass man sich nicht das Schlagwort Industrie 4.0 vorgenommen „und etwas drumrumgebastelt“ habe. Das hätte nicht zum Erfolg geführt. „Wir haben unseren Kunden zugehört und uns angeschaut, wo ihre Probleme liegen.“

„Im Zentrum der Digitalisierungsstrategie steht immer der Endkunde“, bekräftigt Hans-Peter Lackner, Consultant für Smart Industrial Solutions bei CANCOM, der die Digitalisierung bei Marbach begleitet. „Am Anfang muss die Frage stehen: Welche Bedürfnisse haben meine Kunden und wie können digitale Produkte und Dienstleistungen diese erfüllen?“

Als Antwort auf die Anforderungen seiner Kunden entwickelte Marbach die Plattform CONNECT|M. Diese Plattform visualisiert die Daten, die von den verschiedensten im Werkzeug angebrachten Sensoren erfasst werden, in einem Dashboard. So kann der Endkunde seine Maschinen und Werkzeuge nicht nur selbstständig überwachen sondern auch seine Prozesse dokumentieren sowie optimieren.

Digitale Werkzeuge sorgen für transparente Prozesse

Die Werkzeuge von Marbach sind beim Kunden Bestandteil großer Maschinen und Anlagen. So ist ein Marbach-Thermoformwerkzeug etwa in einer Maschine verbaut, die Joghurtbecher für Molkereien produziert. Für Marbach ist es daher wichtig, dem Kunden eine Lösung anzubieten, mit der er sein Werkzeug maschinenunabhängig überwachen kann, erklärt Marcel Dreher, Entwicklungsingenieur bei Marbach.

Dafür hatte Marbach schon vor dem digitalen Zeitalter Lösungen. Ein Beispiel ist die analoge Messvorrichtung MarbaSpy mit Messuhr, mit der Kunden überprüfen können, ob die obere und untere Werkzeughälfte ihres Thermoformwerkzeuges parallel sind. Diese Parallelität ist kritisch für die Produktion, denn Abweichungen führen zu einem Qualitätsverlust in der Produktion beim Endkunden und zu einem höheren Werkzeugverschleiß.

Die digitale Variante der Parallelitätsmessung ist eine Komponente der Plattform CONNECT|M. Mittlerweile ist CONNECT|M zu jedem Marbach Thermoformwerkzeug als Add-On erhältlich. Maschinendaten und Messungen werden so einfacher in individuelle Kunden-Workflows integriert und die Parallelität wird kontinuierlich gemessen. Das wiederum ist ein unschlagbarer Mehrwert. Kunden können sofort Maßnahmen ergreifen, wie Marcel Dreher erklärt: „Kommt es zu Abweichungen und Problemen im Prozess, wird dem Kunden ein Alarm ausgegeben. Er könnte dann sofort reagieren und etwa die Maschine stoppen, bevor es zu einer fehlerhaften Produktion kommt.“

Für die Zukunft möchte Marbach CONNECT|M kontinuierlich weiterentwickeln und das Potenzial neuer digitaler Entwicklungen voll ausschöpfen. Zukünftig sollen mithilfe der erfassten Daten und verschiedenen Verfahren Probleme am Werkzeug erkannt werden, bevor sie überhaupt entstehen. Predictive Maintenance nennt sich das Konzept, bei dem der Hersteller den Kunden rechtzeitig über einen notwendigen Wartungseinsatz informiert und so entscheidend dazu beiträgt, Produktionsausfälle zu verhindern.

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Die Parallelitätsmessung stellt die Qualität des Produkts und die Langlebigkeit des Werkzeugs sicher. Dank Sensoren wird die Parallelität kontinuierlich gemessen. (Bild: © Marbach)

CANCOM – der richtige Partner für Marbach

Bei der Konzeptionierung und praktischen Umsetzung der Plattform CONNECT|M leistete CANCOM wertvolle Unterstützung: Die Software und Architektur stammen aus der gemeinsamen Entwicklungsleistung von Marbach und CANCOM. Zudem konzipierte der IT-Konzern auch die Hardware-Infrastruktur und nahm die Cloud-Anbindung vor.

Warum Marbach sich für CANCOM als Umsetzungs-Partner entschied, erklärt Marcel Dreher so: „Wir haben einen zuverlässigen Partner gesucht, der uns bei dieser Entwicklung zur Seite steht, die wir allein nicht hätten stemmen können. Unsere Digitalisierungsstrategie umfasst ein sehr breites Feld, das extremes Expertenwissen von unserer Seite wie auch von der unseres Partners erfordert. Wir beginnen bei einem Sensor, gehen über die Verarbeitung der Daten und landen bei der Cloud.“

Mit CANCOM hat Marbach den richtigen Partner an der Seite. Die Smart Industrial Solutions-Expert*innen des IT-Konzerns bringen dank langjähriger Projekterfahrung in beiden Welten, der IT und der Industrie, das nötige Expert*innenwissen mit. „Wir leben Industrie 4.0! Wir unterstützen Industriebetriebe bei allen Phasen der Digitalisierung – von der Strategiefindung über die Umsetzung bis zum Betrieb“, so Johannes Riha, CANCOM Sales Manager für Smart Industrial Solutions.

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie CANCOM Maschinenbau-Unternehmen in die digitale Zukunft begleitet? Entdecken Sie unser Smart Industrial Solutions Portfolio und nehmen Sie Kontakt mit unseren Expert*innen auf!

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