
Symboldbild: Sicherheit von IT-Infrastruktur (Bild: AI-generiert mit Microsoft Copilot)
Wer die aktuelle Bedrohungslage allein an der Anzahl registrierter Cyberangriffe misst, dürfte zu einem trügerischen Schluss kommen. Das zeigt der aktuelle Global Threat Report von WatchGuard Technologies. Denn obwohl demnach die Zahl der Netzwerkangriffe im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging (79 Prozent), stiegen neuartige Malware-Varianten und zunehmend individuelle Angriffsmuster massiv an: Allein die Anzahl neuer Malware auf Endgeräten nahm um mehr als 2000 Prozent zu – so die Analysten.
Der Studie zufolge deuten diese Ergebnisse auf einen grundlegenden Wandel in den Vorgehensweisen von Cyberkriminellen hin. Statt möglichst viele Ziele mit identischer Schadsoftware anzugreifen, würden Angreifer verstärkt auf maßgeschneiderte Methoden setzen, die präzise auf einzelne Unternehmen oder Systeme zugeschnitten sind. Dabei würden sie von Automatisierung, Malware-as-a-Service-Angebote und vermehrt auch AI-Tools unterstützt.
Von der Massenattacke zum gezielten Angriff
Besonders auffällig: Rund 96 Prozent der erkannten Schadprogramme wurden laut Global Threat Report jeweils nur auf einem einzigen Gerät festgestellt. Nach Einschätzung von WatchGuard spricht dies dafür, dass Cyberkriminelle deutlich stärker auf individualisierte Malware setzen als noch vor wenigen Jahren.
Für Unternehmen macht diese Entwicklung die Verteidigung nicht einfacher. Klassische Sicherheitskonzepte basieren häufig darauf, bekannte Angriffsmuster zu erkennen und zu blockieren. Werden Schadprogramme jedoch für einzelne Ziele individuell angepasst, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie bereits bekannt sind und durch bestehende Schutzmaßnahmen identifiziert werden.
Hinzu kommt: Moderne Cyberangriffe erfolgen laut Studie immer unauffälliger. Statt durch Schadsoftware Aufmerksamkeit zu erzeugen, würden Cyberkriminelle zunehmend versuchen, reguläre Werkzeuge und Prozesse innerhalb einer IT-Umgebung für ihre Zwecke zu nutzen.
Identitäten werden zur neuen Angriffsfläche
Parallel dazu stellen die Sicherheitsexperten fest, dass Zugangsdaten und Benutzerkonten immer stärker in den Fokus von Angreifern rücken. Laut Global Threat Report gewinnen der Diebstahl von Credentials, dauerhafte Zugriffe auf Systeme und Fernzugriffstechniken an Bedeutung.
Damit verändert sich auch die Perspektive auf das Thema Cybersecurity. Während lange Zeit vor allem Firewalls und Perimeterschutz im Mittelpunkt standen, werden heute Themen wie Identitätsschutz, Multi-Faktor-Authentifizierung, Security Monitoring und schnelle Reaktionsfähigkeit immer wichtiger.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Sicherheitsstrategien müssen ganzheitlich werden. Nicht die einzelne Sicherheitslösung entscheidet über die Resilienz einer Organisation, sondern das Zusammenspiel aus Menschen, Prozessen und Technologie.
Cybersecurity bleibt ein zentrales Zukunftsthema
Wie Unternehmen auf diese veränderte Bedrohungslage reagieren können, ist auch eine der zentralen Fragestellungen der diesjährigen CANCOM LIVE. Die Veranstaltungsreihe macht von September bis November 2026 an jeweils 5 Stationen in Deutschland und Österreich Halt und zeigt aktuelle Entwicklungen rund um AI, moderne IT-Infrastruktur und Cybersecurity auf. Dabei wird auch beleuchtet, welche Auswirkungen neue Technologien auf die Sicherheitsanforderungen von Unternehmen haben.
Auf der Agenda stehen unter anderem Themen wie Security Governance, sichere AI-Nutzung, moderne AI-Disaster-Recovery-Strategien sowie aktuelle Bedrohungsszenarien aus Sicht des CANCOM Red Teams. Damit greift die CANCOM LIVE genau jene Herausforderung auf, die im aktuellen Global Threat Report sichtbar wird: Cyberangriffe werden zwar seltener laut, aber nicht ungefährlicher.
Eindrücke vom Stopp in Darmstadt vergangene Woche sehen Sie im folgenden Video:
Video: © CANCOM
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