13. August 2021 | pArtikel drucken | kKommentieren

Cyberkriminalität verursacht Rekordschäden in deutscher Wirtschaft

Noch nie haben Cyberangriffe der deutschen Wirtschaft so geschadet wie heute. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Bitkom. Demnach beläuft sich die Schadenssumme auf jährlich 220 Milliarden Euro. Wesentlicher Verursacher dieser Entwicklung seien Erpressungsvorfälle – ausgelöst durch Ransomware-Attacken.

Egal ob Diebstahl, Spionage oder Sabotage: Cyberattacken sind in Deutschland auf dem Vormarsch und führen zu schwerwiegenden Konsequenzen. Das besagt eine aktuelle Bitkom-Studie, für die der Branchenverband über 1000 Unternehmen befragt hat.

Mit insgesamt 220 Milliarden Euro in 2020/21 hat sich die Schadenssumme laut Studie im Vergleich zu 2018/19 mehr als verdoppelt: Damals habe die Summe 103 Milliarden Euro betragen. Hinzu komme, dass immer mehr Unternehmen von Cyberangriffen betroffen sind. Seien es vor zwei Jahren noch 7 von 10 Firmen gewesen, die Opfer einer Cyberattacke wurden, seien es heute 9 von 10 – also nahezu alle.

Ransomware-Attacken als größte Bedrohung

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung seien Erpressungsvorfälle. Meist würden diese als unmittelbare Folge von Ransomware-Angriffen auftreten. Wie die Studienautoren hervorheben, haben sich die Schäden durch Ransomware-Angriffe innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfacht.

Entsprechend kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg in der offiziellen Pressemitteilung: „Die Wucht, mit der Ransomware-Angriffe unsere Wirtschaft erschüttern, ist besorgniserregend und trifft Unternehmen aller Branchen und Größen.“

Systeme würden verschlüsselt, ganze Geschäftsbetriebe lahmgelegt werden. Dies führe nicht nur zu Reputationsschäden sondern gefährde auch den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

Ähnlich äußert sich Daniel Graßer (Director Competence Center Security bei CANCOM). „Ransomware-Attacken und der daraus resultierende, wirtschaftliche Schaden gehören aktuell zu den größten Bedrohungen für Unternehmen – sowohl für Mittelständler als auch globale Enterprise-Kunden“, so Daniel Graßer gegenüber der CANCOM.info-Redaktion.

Auch DDoS-Angriffe oder Spoofing auf dem Vormarsch

Neben Ransomware hat die Bitkom-Studie weitere Cyberattacken ermittelt, die Firmen aktuell besondere Kopfzerbrechen bereiten. Dazu gehören unter anderem:

  • DDoS-Attacken: Eine Distributed-Denial-of-Service (DDoS)-Attacke ist darauf ausgerichtet, bestimmte Ressourcen wie Server gezielt zu überlasten und letztendlich außer Betrieb zu setzen. Laut Studie waren 27 Prozent der Unternehmen in 2020/21 von DDoS-Angriffen betroffen.
  • Spoofing und Phishing: Der Studie zufolge haben Spoofing (Vortäuschen einer falschen Identität) und Phishing (Abfangen persönlicher Daten wie Kreditkartennummern) in 20 bzw. 18 Prozent der Unternehmen Schäden verursacht. Beide Methoden hängen eng zusammen: So können Cyberkriminelle zum Beispiel eine E-Mail so fälschen, dass sie noch legitimer und glaubwürdiger wirkt (Spoofing) – was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Hacker über das Senden einer E-Mail persönliche Daten bei Mitarbeiter:innen abgreifen können (Phishing).
  • Angriffe auf Passwörter: Solche Angriffe haben laut Studie 18 Prozent der Unternehmen verzeichnet.

Pessimistische Prognosen für die Zukunft

Dass Cyberattacken künftig in ihrer Anzahl abnehmen oder weniger Schäden verursachen werden, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Wie die Studie betont, geht die große Mehrheit der befragten Firmen sogar von einer verschärften Bedrohungslage aus.

Demnach befürchten 83 Prozent, dass die Zahl der Angriffe bis Ende 2021 weiter zunehmen wird. Gerade Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie mittlere Unternehmen mit 100 bis 499 Mitarbeiter:innen rechneten mit einer starken Zunahme von Cyberattacken.

Die größte Gefahr würden Unternehmen dabei in Ransomware-Attacken sehen. So bezeichneten 96 Prozent solche Attacken als bedrohlich. Ebenfalls würden viele Unternehmen die Ausnutzung neuer Sicherheitslücken (95 Prozent) oder Spyware-Angriffe (83 Prozent) als Bedrohung einstufen.

Als Reaktion auf die zunehmenden Cyberattacken erwarten Firmen wirksame politische Antworten – so die Studie. Dazu zählten beispielsweise eine verstärkte EU-weite Zusammenarbeit beim Thema Cybersicherheit, ein besserer Austausch zur IT-Sicherheit zwischen Staat und Wirtschaft sowie ein Förderprogramm, um die Arbeit im Home Office besser abzusichern.

Steigende Ausgaben für IT-Sicherheit

Angesichts dieser Bedrohungslage ist es indes wenig verwunderlich, dass Unternehmen immer mehr für den Bereich IT-Security ausgeben. So verzeichnete das Marktforschungsunternehmen IDC vergangenes Jahr Rekordsummen von 5,2 Milliarden Euro. Dabei würden die Ausgaben für IT Security-Dienstleistungen, wie sie IT-Konzerne wie CANCOM anbieten, mit 2,8 Milliarden Euro den mit Abstand größten Anteil ausmachen (CANCOM.info berichtete).

Dieser Trend soll dieses Jahr weitergehen: Wie das Statistik-Portal Statista angibt, werden für 2021 Ausgaben in Höhe von 5,7 Milliarden Euro erwartet. Dies wäre dann ein neuer Rekord.

Quelle Titelbild: © B_A/pixabay.com

Hier schreibt Christian Schinko für Sie

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