22. Februar 2019 | pArtikel drucken | k1 Kommentar

Künstliche Intelligenz: Europa hat enormen Nachholbedarf

Die digitale Kluft zwischen Europa und Weltmarktführern wie China und den USA wird größer. Eine Studie des McKinsey Global Institute (MGI) bescheinigt den europäischen Staaten ein Defizit in KI-Technologien. Was muss Europa leisten, um in diesem Bereich aufzuholen?

Europa lässt weite Teile seines KI-Potenzials ungenutzt. Das geht aus einer aktuellen Studie des McKinsey Global Institute (MGI) hervor. Demnach können die europäischen Staaten ihre Wirtschaftsleistung – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – durch eine konsequente Fokussierung auf Künstliche Intelligenz (KI) bis 2030 um rund 2,7 Billionen Euro steigern.

Bei der Entwicklung und Verbreitung digitaler Technologien liegt Europa derzeit weit hinter den USA und China zurück. Um zu den Weltmarktführern aufzuschließen, muss die europäische Gemeinschaft ihre aktuellen Digital- und KI-Fähigkeiten weiterentwickeln und verbreiten, heißt es weiter. Das MGI, der volkswirtschaftliche Think Tank des Beraterhauses McKinsey, hat in der Studie untersucht, wie die Chancen Europas stehen, im Bereich KI zu den Vorreiternationen aufzuschließen und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen. Insgesamt hat das MGI weltweit über 20.000 Führungskräfte aus verschiedensten Branchen dazu befragt.

Ursachen liegen in digitalen Defiziten

Das MGI fand bereits 2016 heraus, dass die europäischen Staaten lediglich zwölf Prozent ihres gesamten digitalen Potenzials nutzen – in den USA waren es ein Drittel mehr. Das Potenzial ist definiert nach dem branchenübergreifenden gewichteten Einsatz von digitalen Vermögenswerten und Ressourcen – gemessen am Sektor mit dem höchsten Digitalisierungsgrad. 2017 ist der Rückstand weiterhin bei rund 35 Prozent, wie die Studie zeigt. Zwar betrage das EU-BIP 90 Prozent von dem der USA und liege damit knapp vor der Wirtschaftsleistung Chinas. Doch beim digitalen Anteil des Umsatzes von Europas Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektor (IKT) zeigen sich deutliche Unterschiede: Laut Studie beträgt der digitale Anteil in Deutschland nur 1,7 Prozent des BIPs, in China sind es 2,1 Prozent und in den USA gar 3,3 Prozent. Deutschland liegt mit 1,5 Prozent sogar unter dem europäischen Durchschnitt.

Künstliche Intelligenz in Europa hat Potenzial

Trotz des Nachholbedarfs betonen die Autoren der Studie: Europa kann es schaffen, zu den führenden Nationen in Künstlicher Intelligenz zu gehören. Die Potenzialunterschiede seien aber im europäischen Ländervergleich sehr unterschiedlich. Die skandinavischen Länder hätten das größte Potenzial in der Einsatzfähigkeit von KI. Deutschland liege im globalen Mittelfeld.

Europa muss nach Ansicht des MGI alles Nötige tun, um KI-Startups zu unterstützen und den Kontinent zu einem der weltgrößten Standorte für Entwickler mit einem dichten Netz KI-basierter Innovationszentren auszubauen: „Es besteht die Gefahr, dass Europa noch weiter hinter die weltweiten KI-Vorreiter zurückfällt und es nicht schafft, diese wertvolle Quelle für eine neue wirtschaftliche Dynamik zu erschließen“, sagt Eckart Windhagen, Seniorpartner von McKinsey und Mitautor der Studie in der offiziellen Pressemitteilung. „Europa liegt bei der Verbreitung von künstlicher Intelligenz zurück, verfügt über zwar wachsende, aber immer noch begrenzte KI-Lieferketten sowie KI-Ökosysteme und leidet unter einem Mangel an den nötigen Fähigkeiten zur optimalen Nutzung dieser Technologien.“

Fünf-Punkte-Plan, um die KI-Entwicklung in Europa zu beschleunigen

Die Autoren der Studie haben fünf Punkte identifiziert, damit Europa die KI-Entwicklung beschleunigen kann.

  1. Aufbau eines lebendigen Ökosystems aus Deep-Tech-Unternehmen und KI-Startups, die neue KI-basierte Geschäftsmodelle entwickeln.
  2. Die etablierten Unternehmen Europas müssen ihre digitale Transformation beschleunigen, indem sie Innovationen akzeptieren.
  3. Gemeinsame Stärkung des digitalen Binnenmarktes.
  4. Unternehmen müssen die richtigen Talente einsetzen und entsprechende Kompetenzen weiter entwickeln, um das KI-Potenzial voll ausschöpfen zu können.
  5. Es braucht mutige Ansätze, um die schwierige digitale Veränderungsphase der Gesellschaft zu lenken und zu begleiten.

Der Markt für Künstliche Intelligenz in Europa in 2022

Demgegenüber steht eine Studie der Initiative „European Information Technology Observatory“ (kurz: EITO). Demnach wird der Markt für Künstliche Intelligenz in den kommenden vier Jahren von rund drei Milliarden Euro auf bis zu zehn Milliarden Euro ansteigen (CANCOM.info berichtete).

Verschiedene Förderungsmaßnahmen sind bereits beschlossene Sache. So gibt es neben den euopäischen Forderungsbündnissen ELLIS und CLAIRE auch das Strategiepapier der deutschen Bundesregierung zum Thema KI. Die „Strategie Künstliche Intelligenz“ hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland als Forschungsstandort für KI zu stärken.

© Mopic – Fotolia

 

Hier schreibt Patrick Füngerlings für Sie

Mehr Artikel vom Autor

Cookies auf dieser Website

Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Damit wir verstehen, wie unsere Seite im Allgemeinen genutzt wird und wir Ihren Besuch noch interessanter und personalisierter gestalten können, setzen wir Cookies und andere Technologien ein. Bitte treffen Sie Ihre bevorzugte Cookie-Auswahl, um fortfahren zu können. Hilfe.

Wählen Sie eine Option, um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit ändern. Eine Erläuterung der einzelnen Einstellungen finden Sie in der Hilfe.

COOKIE EINSTELLUNGEN

Wir respektieren Ihre Privatsphäre und den Datenschutz. Damit wir verstehen, wie unsere Seite im Allgemeinen genutzt wird und wir Ihren Besuch noch interessanter und personalisierter gestalten können, sammeln wir Daten über die Nutzung dieser Seite. Hierzu verwenden wir Cookies. Wir teilen außerdem Informationen über Ihre Nutzung unserer Website mit unseren Social-Media-, Werbe- und Analytikpartnern gemäß unserer Datenschutzerklärung. Sie können Ihre Präferenzen in den Cookie-Einstellungen verwalten und jederzeit ändern.

Achtung: Wenn Sie noch keine 16 Jahre alt sind deaktivieren Sie bitte unbedingt alle Cookies die nicht notwendig sind, da für das Tracken durch Cookies von Kindern unter 16 Jahren die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten vorliegen werden muss.

  • Alle Cookies akzeptieren:
    Diese Funktion erlaubt alle Cookies für Tracking- und Seiten-Analyse, Cookies zur Personalisierung der Website oder Social Media Dienste. Dazu zählen auch Cookies von externen Anbietern, wie zum Beispiel Youtube oder Vimeo, um das Abspielen von Videos zu ermöglichen sowie Cookies, die nicht ausschließlich für den Betrieb der Webseite notwendig sind. Das sind Cookies für Marketing, Statistik und andere.
  • Nur Cookies erlauben, die von dieser Webseite gesetzt werden:
    Hierbei werden zusätzlich zu den notwendigen Cookies weitere Cookies geladen, die vom Websitebetreiber für diese Webseite genutzt werden. Das sind zum Beispiel Cookies, die die Art beeinflussen, wie sich eine Webseite verhält oder aussieht (z. B. Ihre bevorzugte Sprache oder die Region in der Sie sich befinden).
  • Nur Cookies akzeptieren, die für die Funktion der Seite notwendig sind:
    Notwendige Cookies helfen dabei, eine Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriff auf sichere Bereiche der Webseite ermöglichen. Die Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren. Es werden bei dieser Option keine Cookies gesetzt, außer die aus technischen Gründen notwendig sind.

Zurück