Dominik Pfingst (Director Modern Workplace bei CANCOM) im Interview

„Microsoft 365 E7 ist ein klarer Schritt hin zu einem AI-First Workplace“ 

Am 1. Mai 2026 ist es soweit: Microsoft führt mit Microsoft 365 E7 (kurz: E7) in Deutschland erstmals seit Ende 2015 wieder eine neue Enterprise-Lizenz ein. Doch was bedeutet das für Unternehmen? Welche Änderungen bzw. Neuerungen sind damit verbunden – besonders im Vergleich zur bisherigen E5-Lizenzierung? Und wie bewertet CANCOM die neue E7-Lizenz? All diese und weitere Fragen beantwortet Dominik Pfingst (Director Modern Workplace bei CANCOM) im Interview.

30. April 2026

|

Lesedauer: ca. 5 Min.

260430_020_ccinfo_microsoft_e7

Bild: © Microsoft

CANCOM.info: Am 1. Mai 2026 wird das neue Lizenzmodell Microsoft 365 E7 in Deutschland auf den Markt kommen. Welche zentralen Neuerungen bringt die E7-Lizenz mit sich?

Dominik Pfingst: Die wichtigste Neuerung betrifft das Thema Künstliche Intelligenz: Mit Microsoft 365 E7 sind AI-Lösungen wie Microsoft Copilot kein Add-on mehr, sondern fester Bestandteil des Lizenzierungsmodells. Im Gegensatz zur vorherigen E5-Lizenz ist eine separate Lizenzierung der AI-Lösungen deshalb nicht mehr nötig. Dabei legt Microsoft mit E7 einen klaren Fokus auf das Thema agentenbasierte AI.

CANCOM.info: Inwiefern?

Dominik Pfingst: Ein wesentlicher Bestandteil der E7-Lizenz ist die Lösung Agent 365. Dadurch erhalten AI-Agenten eigenständige digitale Identitäten – und können von der IT zentral gesteuert, überwacht und compliance-konform betrieben werden. So entwickeln sich AI-Agenten zu neuen, aktiv handelnden Akteuren im Unternehmenskontext.

CANCOM.info: Dies klingt nach tiefgreifenden Änderungen im Arbeitsplatzumfeld.

Dominik Pfingst: Ja, absolut. Das ist auch der zentrale Grund, weshalb Microsoft 365 E7 aus unserer Sicht weniger ein Lizenz-Upgrade, sondern vielmehr ein klarer Schritt hin zu einem AI-First Workplace ist. Dieser stellt neue Anforderungen an Governance, Security und den organisatorischen Reifegrad.

CANCOM.info: Gibt es weitere Neuerungen von Microsoft 365 E7, die hervorzuheben sind?

Dominik Pfingst: Ja, vor allem die sogenannte Multi-Modell-Strategie: Copilot wird künftig in der Lage sein, unterschiedliche AI-Modelle zu nutzen und über Work IQ auf den tatsächlichen Arbeitskontext aus Dokumenten, Meetings und Kommunikation zuzugreifen. Dieser Zugriff hängt stets vom konkreten Anwendungsfall und den bestehenden Berechtigungen ab.

CANCOM.info: Für welche Unternehmen ist Microsoft 365 E7 aus heutiger Sicht relevant?

Dominik Pfingst: Microsoft 365 E7 ist gerade für Unternehmen relevant, die AI bereits als integralen Bestandteil ihrer Geschäfts- und Arbeitsprozesse verstehen – und diesen Ansatz konsequent weiterentwickeln möchten. Die E7-Lizenz richtet sich somit weniger an Organisationen im Experimentiermodus, sondern vielmehr an jene, die AI strategisch einsetzen und sich klar in Richtung agentenbasierter Arbeitsweisen entwickeln möchten.

CANCOM.info: Das heißt im Umkehrschluss: Unternehmen, die AI derzeit punktuell oder experimentell nutzen, sollten mit der Einführung der E7-Lizenz noch warten? Ein Upgrade ist ja schließlich nicht verpflichtend.

Dominik Pfingst: Exakt. Solange diese Unternehmen den entsprechenden Reifegrad in Punkto AI nicht erreicht haben, ist E7 für sie derzeit nicht zwingend notwendig. Sie können also, zumindest nach jetzigem Stand, weiterhin das E5- oder auch das E3-Lizenzierungsmodell nutzen. Dies ist indes kein neues Phänomen: Auch das E5-Lizenzmodell war anfangs „nur“ für bestimmte Organisationen relevant – nämlich für diejenigen mit erhöhten Anforderungen an Security, Compliance und Governance. Mit steigender Bedrohungslage, regulatorischem Druck und wachsender Cloud-Reife hat sich E5 dann schrittweise als neuer Referenzstandard etabliert. Eine ähnliche Entwicklung werden wir auch bei Microsoft 365 E7 beobachten. Wie bereits erwähnt, ist das E7-Lizenzmodell aktuell vorwiegend für Unternehmen interessant, die AI bereits strategisch einsetzen. Mit wachsender Reife und steigenden Anforderungen rund um den Unternehmenseinsatz von AI wird E7 für viele Firmen mittelfristig an Bedeutung gewinnen. 

Microsoft 365 E7 ist gerade für Unternehmen relevant, die AI bereits als integralen Bestandteil ihrer Geschäfts- und Arbeitsprozesse verstehen.

CANCOM.info: In Ihrer Position stehen Sie im engen Kundenkontakt. Wie bewerten Sie die bisherige Resonanz auf Microsoft 365 E7 bei den CANCOM-Kunden?

Dominik Pfingst: Die Resonanz ist aktuell differenziert. Ein besonders großes Interesse sehen wir bei Kunden, die sich bereits aktiv mit Copilot, AI-Strategien und ersten Automatisierungsszenarien befassen. Sie verstehen das E7-Lizenzierungsmodell als logische Weiterentwicklung, weil es AI, Security und Governance erstmals konsistent zusammenführt und den Weg für den Einsatz von AI-Agenten ebnet. Andere Kunden zeigen sich hingegen eher zurückhaltend – und wollen erstmal abwarten. Hier wird E7 nicht als „Must-have“, sondern als Zielbild wahrgenommen, das man schrittweise vorbereitet. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Das Thema Microsoft 365 E7 erhält große Aufmerksamkeit. Dabei beschäftigen sich viele Kunden aus strategischer Perspektive mit dem Thema. Eine Frage, die uns aktuell häufig gestellt wird, lautet zum Beispiel: Was bedeutet das E7-Lizenzierungsmodell für unseren zukünftigen Arbeitsplatz?

CANCOM.info: Überrascht Sie diese differenzierte Betrachtungsweise? Oder war das zu erwarten?

Dominik Pfingst: Diese Resonanz war absolut zu erwarten. Kunden haben aktuell einen ganz unterschiedlichen Reifegrad in Punkto AI – und zeigen sich entsprechend mehr oder weniger abwartend, wenn es um Microsoft 365 E7 geht. Genau das erinnert stark an die frühe Phase von E5: anfänglich selektiv relevant, heute für viele Unternehmen gesetzt.

CANCOM.info: Was sollten Unternehmen nun beachten, wenn sie Microsoft 365 E7 im Betrieb einführen möchten?

Dominik Pfingst: Unternehmen sollten insbesondere evaluieren, ob bzw. wie sie das E7-Lizenzierungsmodell sinnvoll in die eigene AI-Strategie integrieren können. Denn E7 sollte für Firmen nicht der Ausgangspunkt sein, um sich mit dem Thema AI-Strategie und agentenbasierten Szenarien zu beschäftigen, sondern vielmehr die logische Plattform, um die eigene AI-Strategie sauber und kontrolliert in der Praxis umzusetzen.

CANCOM.info: Sie sprechen von einer „logischen“ Plattform für die eigene AI-Strategie. Könnten Sie das genauer ausführen?

Dominik Pfingst: Eine AI-Strategie impliziert völlig neue Anforderungen an Governance, Transparenz und Sicherheitsmodelle: Wenn AI-Agenten bestimmte Arbeits- oder Geschäftsprozesse eigenständig ausführen, Entscheidungen vorbereiten oder orchestrieren sollen, muss genau definiert werden, in welchem Rahmen sie operieren dürfen – und wo die Grenzen liegen. Um diese neuen Anforderungen zu erfüllen, benötigen Unternehmen moderne Lizenz- und Governance-Modelle, mit denen sie beispielsweise definierte Governance-Strukturen und saubere Identitäts- und Berechtigungskonzepte für AI-Agenten entwickeln können. All dies lässt sich mit Microsoft 365 E7 umsetzen.

CANCOM.info: Wie kann CANCOM Unternehmen bei der Einführung von Microsoft 365 E7 unterstützen?

Dominik Pfingst: Wir von CANCOM helfen Firmen dabei, den richtigen Weg zu Microsoft 365 E7 strukturiert vorzubereiten. Unser Anspruch ist es, E7 sinnvoll in die jeweiligen Arbeits- und Geschäftsprozesse unserer Kunden zu integrieren – anstatt nur isoliert einzuführen. Folglich unterstützen wir Unternehmen dabei, herauszufinden, welche Rolle AI und agentenbasierte AI in ihren Arbeits- und Geschäftsprozessen heute und in Zukunft spielen soll – und inwiefern E7 zur erfolgreichen Umsetzung beiträgt. Tatsächlich begleiten wir unsere Kunden über den gesamten AI-Prozess hinweg: von der Zielbild- und Use Case-Definition über Reifegrad- und Governance-Betrachtungen bis hin zur technischen und organisatorischen Umsetzung – unter anderem mithilfe von Microsoft 365 E7. In diesem Kontext bieten wir beispielsweise den AI Discovery Workshop an. Hier erarbeiten unsere AI Consultants gemeinsam mit den Kunden an zwei Tagen echte AI Use Cases – und zeigen, wie diese praktisch umgesetzt werden können.

CANCOM.info: Im Endeffekt heißt das: CANCOM betrachtet die Einführung von Microsoft 365 E7 nie als Einzelprojekt, sondern stets als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, um AI-Projekte erfolgreich umzusetzen. Lässt sich das so sagen?

Dominik Pfingst: Ja, absolut. Das ist auch der einzig sinnvolle Weg. Nur dann können echte Mehrwerte durch E7 entstehen.

CANCOM.info: Wenn Sie zusammenfassen könnten: Wie bewerten Sie Microsoft 365 E7 im Unternehmenskontext?

Dominik Pfingst: Microsoft 365 E7 markiert den nächsten Schritt in der Evolution des digitalen Arbeitsplatzes – hin zu einem AI-First Workplace. So ist E7 das erste Lizenzmodell, in dem AI-Lösungen ein fester Bestandteil sind. Dabei legt Microsoft einen klaren Fokus auf agentenbasierte AI – und zeigt damit auf, wohin die Reise geht: AI als aktiver Akteur, der insbesondere über AI-Agenten tief in Arbeitsplatz- und Geschäftsprozesse eingebunden ist. Dies kann Unternehmen völlig neue Möglichkeiten eröffnen, Arbeit neu zu denken, Prozesse intelligenter zu gestalten und echte Entlastung und Skalierung zu erreichen. Entscheidend ist jedoch: E7 ist kein Selbstzweck. Die echten Mehrwerte entstehen nur, wenn Unternehmen E7 gezielt in eine ganzheitliche AI-Strategie integrieren. Genau hier setzen wir von CANCOM an – mit der Übersetzung von Visionen in konkrete Use Cases und der Entwicklung tragfähiger Betriebsmodelle. So wird Microsoft 365 E7 nicht nur eingeführt, sondern wirksam genutzt – als Katalysator für einen modernen, zukunftsfähigen AI-getriebenen Arbeitsplatz.

Weitere Informationen zu Microsoft 365 E7, inklusive Kontaktmöglichkeit, finden Sie auf der exklusiven CANCOM-Themenseite. 

Hintergrund zum Experten

Dominik Pfingst

Director Modern Workplace, CANCOM

Dominik Pfingst ist als Director Modern Workplace für das gleichnamige Competence Center bei CANCOM verantwortlich. In seiner Position kümmert er sich um die innovative Weiterentwicklung des Workplace-Portfolios von CANCOM. Dabei spielt der AI-Bereich eine wichtige Rolle.

Mehr zum Thema „Artificial Intelligence“

251021_cci_prompt_injection

Wenn AI nicht mehr handelt, wie sie soll: Was steckt hinter Prompt Injection?

AI-Technologien sind hilfreich, können aber manipuliert werden. Erfahren Sie mehr über Bedrohungen wie Prompt Injection und warum Unternehmen handeln sollten.

Lesedauer: 2 Min.

250626_cc_info_redhat

Lösungsansatz für produktive AI: Souverän, skalierbar und im eigenen Rechenzentrum

Für den erfolgreichen Einsatz von AI spielen skalierbare Strukturen, eine sichere Datenverarbeitung und gute Einbindung in IT-Systeme eine zentrale Rolle.

Lesedauer: 2 Min.

servicenow-word-forum-cancom

ServiceNow World Forum: CANCOM CEO Rüdiger Rath über die Chancen und Herausforderungen von AI 

Beim diesjährigen ServiceNow Word Forum sprach CANCOM-CEO Rüdiger Rath über die tiefgreifende Bedeutung von AI – und wie CANCOM selbst AI integriert hat.

Lesedauer: 2 Min.