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Ausländische Nachrichtendienste nehmen deutsche Unternehmen vermehrt ins Visier. Das hat eine aktuelle Bitkom-Studie ergeben – für die Bitkom insgesamt 1003 Unternehmen ab 10 Beschäftigen in Deutschland befragt hat.
Demnach konnten 37 Prozent der Unternehmen, die in den letzten 12 Monaten von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen wurden, mindestens einen Angriff einem fremden Geheimdienst zuordnen. Im Vorjahr seien es erst 28 Prozent gewesen, 2023 lediglich 7 Prozent. Damit würden ausländische Nachrichtendienste zum ersten Mal die zweitgrößte Tätergruppe darstellen – gleich nach der Organisierten Kriminalität. Bei der geografischen Zuordnung gehen laut Studie die meisten Angriffe von China (52 Prozent) und Russland (49 Prozent) aus. Zum ersten Mal sei auch der Iran mit 9 Prozent ein ernsthafter Akteur.
Zugleich zeigt die Studie auf, welche wirtschaftliche Dimension dahintersteht: Demnach summieren sich die Schäden für die deutsche Wirtschaft über alle Tätergruppen und Angriffsformen hinweg auf über 211 Milliarden Euro.
Dunkelziffer steigt
Wie die Studienautoren weiter ausführen, gehen die Geheimdienste und auch nicht-staatliche Akteure dabei zunehmend professionell und verdeckt vor. Entsprechend nehme das Dunkelfeld zu: Es gebe vermehrt Unternehmen, die einen Angriff zwar vermuten, diesen aber nicht zweifelsfrei belegen können. Tatsächlich liege der Anteil inzwischen bei 29 Prozent (im Vorjahr: 10 Prozent).
„Ausländische Nachrichtendienste haben ihre hybriden Aktivitäten intensiviert und sind zunehmend für die Angriffe auf die deutsche Wirtschaft verantwortlich“, so der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, in der offiziellen Bitkom-Pressemitteilung. „Dabei werden häufig ganze Branchen ins Visier genommen, sensible Daten gestohlen und Abläufe des alltäglichen Lebens gestört. Nicht zuletzt stellt die Sicherheit- und Verteidigungswirtschaft eine besonders attraktive Zielfläche ausländischer Dienste dar.“ Um sich zu schützen, würden die Bereiche Detektion, Disruption und Prävention von Angriffen immer wichtiger werden.
Ähnlich äußert sich Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst: „Nachrichtendienste arbeiten professioneller und verdeckter und stellen die angegriffenen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Zugleich erhalten auch weniger professionelle Angreifer durch KI ganz neue Möglichkeiten“, so der Bitkom-Präsident. „Entscheidend ist, Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren, Beweise zu sichern und Erkenntnisse schnell mit den Sicherheitsbehörden zu teilen. Nur so lassen sich Spionage und Sabotage wirksam begrenzen.“ Dafür müssten Unternehmen vor allem in Angriffserkennung, saubere Konfigurationen und ein striktes Identitätsmanagement investieren. Denn dadurch ließen sich die wichtigsten Sicherheitslücken schließen, die die Angreifer heute nutzen.