Markus Fabritz (Solution Sales Manager, IoT & Analytics bei CANCOM) im Interview

“Die Einführung eines Smart Product muss an konkrete Use Cases gekoppelt sein”

Unter den Begriff “Smart Product” fallen Produkte, die umfassend miteinander vernetzt und so “intelligent” gemacht werden. In der Industrie nehmen Smart Products stetig an Bedeutung zu. Wieso das der Fall ist und welche Punkte Unternehmen beachten müssen, um “smarte” Produkte erfolgreich einzuführen, verrät Markus Fabritz (Solution Sales Manager, IoT & Analytics bei CANCOM) im Interview.

29. Oktober 2021

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Lesedauer: ca. 4 Min.

Smart industry control concept.Hands holding tablet on blurred automation machine as background

bild: © panuwat/stock.adobe.com

CANCOM.info: Intelligente, miteinander vernetzte Produkte – ausgedrückt unter dem Namen „Smart Product“ – werden für Industrieunternehmen immer wichtiger. Woran liegt das?

Markus Fabritz: Dies liegt besonders daran, dass ein Smart Product viele Unternehmensvorteile bietet – die für die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind. Die richtige Einführung vorausgesetzt, können Firmen damit ihre Produktivität und Effizienz erhöhen, den Umsatz mit neuen digitalen Geschäftsmodellen steigern oder die individuelle Kundenansprache optimieren.

CANCOM.info: Sie haben einige Vorteile genannt. Welche dieser Vorteile sind aktuell für Unternehmen auschlaggebend, um die Einführung von Smart Products anzustreben?

Markus Fabritz: Aktuell eine erhöhte Produktivität und Effizienz. Es geht Unternehmen in erster Linie darum, ihre Maschinen und Prozesse zu optimieren und effizienter zu wirtschaften. Dies kann mit Smart Products gelingen: Indem klassische Maschinen und Produkte durch Vernetzung, Sensorik und Aktorik in Smart Products verwandelt werden, produzieren sie permanent Daten, die Unternehmen gewinnbringend für sich nutzen können.

CANCOM.info: Und aus der gewinnbringenden Datennutzung ergibt sich folglich eine höhere Produktivität und Effizienz?

Markus Fabritz: So ist es. Unternehmen können beispielsweise aus den Daten wertvolle Informationen über den Zustand, die Nutzung oder den Betrieb einer Maschine gewinnen – und daraus Erkenntnisse ableiten, wie man die Maschine noch produktiver und effizienter einsetzen kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, ungeplante Ausfallzeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Wer den Zustand einer Maschine anhand von Daten ermittelt und somit weiß, dass bald eine Wartung nötig ist, kann diese durchführen, bevor ein Maschinenausfall droht. In Folge arbeitet die Maschine zuverlässiger – was wiederum die Produktivität im Betrieb erhöht. Die gewinnbringende Datennutzung ist indes nicht nur für eine höhere Produktivität und Effizienz entscheidend. Sie ist die Basis für sämtliche Vorteile, die ein Smart Product bietet.

CANCOM.info: Welche zentralen Herausforderungen kommen auf Unternehmen zu, wenn sie Smart Products einführen möchten?

Markus Fabritz: Die größte Herausforderung ist zu ermitteln, inwiefern Smart Products dazu beitragen können, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit anderen Worten: Die Einführung eines Smart Product muss an konkrete Use Cases gekoppelt sein. Wer Produkte miteinander vernetzt, muss zumindest rudimentär wissen, wie diese Vernetzung das Business voranbringt. Sonst ist es unmöglich, von Smart Products langfristig zu profitieren.

CANCOM.info: Das klingt nach einer komplexen Aufgabe.

Markus Fabritz: Ja, zumal dafür ein einheitliches Verständnis nötig ist. Unternehmen müssen unterschiedlichste Abteilungen mit ins Boot holen – von IT, Marketing und Vertrieb bis hin zur Geschäftsführung. Schließlich ist es denkbar, dass Firmen in Zukunft auch vor organisatorischen Veränderungen stehen – weil das neue Geschäftsmodell beispielsweise die Gründung von Abteilungen erfordert. Ohne die Entwicklung eines Geschäftsmodells wird es definitiv nicht klappen: Nach meiner Erfahrung finden in 90 Prozent der Fälle keine oder nur geringfügige Investitionen im Bereich Smart Product statt, wenn zuvor kein Geschäftsmodell ausgearbeitet wurde.

CANCOM.info: Nehmen wir an, ein Unternehmen hat ein, zumindest rudimentäres, Geschäftsmodell entworfen. Wie geht es dann weiter?

Markus Fabritz: Anschließend müssen Firmen auf die richtigen Technologien setzen, um Smart Products erfolgreich im Betrieb einzuführen. Dazu gehört beispielsweise die Implementierung einer IoT-Plattform – damit sämtliche Daten, die die Smart Products generieren, zentral gesammelt und analysiert werden können.

CANCOM.info: Als CANCOM unterstützen Sie Unternehmen ja bei der praktischen Einführung von Smart Products. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Markus Fabritz: Wir als CANCOM helfen Firmen einerseits dabei, konkrete Use Cases und das dazugehörige Geschäftsmodell zu entwickeln. Diese erarbeiten wir gemeinsam mit den Kund:innen in dedizierten Workshops. Andererseits kümmern wir uns um die Auswahl der passenden Technologien, um das entworfene Geschäftsmodell in die Tat umzusetzen. Dafür führen wir ein Proof of Concept (PoC) durch: Im PoC demonstrieren wir unter anderem, wie es möglich ist, ein Produkt „smart“ zu machen. Dafür schließen wir ein Edge-Device an eine Maschine an, das auf Intel-Technologie basiert. Intel bietet hierfür ein Programm namens Market Ready Solutions. Partner können mit skalierbaren IoT-Lösungen und Intel-Technologie unterstützt werden. Außerdem definieren wir in gemeinsamer Absprache die IoT-Architektur und -Plattform – die wir bei Kund:innen anschließend praktisch implementieren. Falls erwünscht, kümmern wir uns zusätzlich um den Betrieb der Plattform.

CANCOM.info: Wenn wir einen Blick auf die nächsten Jahre werfen: Wie wird sich das Thema Smart Product heute und in Zukunft weiterentwickeln?

Markus Fabritz: Aktuell verfolgen Unternehmen vielerorts noch einen sehr produktzentrierten Ansatz. Das bedeutet: Sie richten ihren Blick primär auf einzelne Produkte und entwickeln Strategien, wie sie diese „smart“ machen können. Dieser Ansatz wird in Zukunft abgelöst werden: Je mehr Produkte intelligent sind und Daten generieren, desto mehr werden sich Firmen mit der Frage beschäftigen, wie sie diese Produkte in einen Gesamtprozess einbetten können. In der Produktion etwa ist jede Maschine nur ein Teil des Gesamtprozesses. Folglich wird die Reise dahin gehen, den Gesamtprozess zu optimieren – anstatt „nur“ einzelne Produkte.

CANCOM.info: Welche Maßnahme ist aus Ihrer Sicht ausschlaggebend, damit Unternehmen den Gesamtprozess optimieren können?

Markus Fabritz: Firmen müssen in erster Linie alle Daten, die die einzelnen Smart Products generieren, auf einer übergeordneten Plattform integrieren und analysieren. Mit der bereits erwähnten IoT-Plattform, die wir als CANCOM in Unternehmen einführen und auf Wunsch betreiben, ist das schon heute möglich.

Nähere Informationen zu den Leistungen von CANCOM im Bereich Smart Product erfahren Sie hier. 

Hintergrund zum Experten

Markus Fabritz

Solution Sales Manager, CANCOM

Markus Fabritz arbeitet bei CANCOM als Solution Sales Manager, IoT & Analytics. In seiner Position beschäftigt er sich täglich mit der Digitalisierung in der Industrie.

Dazu gehören besonders Themen wie Industrial Internet of Things (IIoT), Datenmanagement sowie Smart Product.

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