9. August 2022 | pArtikel drucken | kKommentieren
Andreas Wiersch (Director und Leiter des Competence Center SAP bei CANCOM) im Interview

„S/4HANA wird die künftige Basis sein, um SAP-Anwendungen ausführen zu können“

Die Migration auf SAP S/4HANA ist für SAP-Anwender ein Thema, an dem kein Weg vorbei führt. Das betont Andreas Wiersch (Director und Leiter des Competence Center SAP bei CANCOM) im Interview. Wieso die Conversion bzw. das Software-Upgrade dafür der beliebteste Ansatz ist und wie CANCOM bei der Umsetzung unterstützen kann, erklärt er im Interview. Außerdem geht Andreas Wiersch auf das Thema „Rise with SAP“ ein. 

CANCOM.info: Viele Unternehmen, die SAP-Lösungen im Einsatz haben, stehen aktuell vor der Aufgabe, auf SAP S/4HANA zu migrieren. Warum ist der Brownfield-Ansatz bzw. die Conversion dabei am beliebtesten?

Andreas Wiersch: Bei der Conversion wird ein Upgrade des bestehenden ERP-Systems auf SAP S/4HANA durchgeführt. Somit muss nicht, wie beim Greenfield-Ansatz, das gesamte System neu aufgesetzt werden. Da die meisten Unternehmen bereits ein ERP-System im Einsatz haben, liegt es für viele nahe, sich für eine Conversion zu entscheiden. Zumal diese weniger Aufwand verursacht wie etwa der Greenfield-Ansatz.

CANCOM.info: Vor welchen Fragen stehen gerade mittelständische Unternehmen in Deutschland, wenn es um die konkrete Umsetzung der Conversion geht?

Andreas Wiersch: Abgesehen von lizenzrechtlichen Rahmenbedingungen müssen sich Firmen in erster Linie die Frage stellen, worin der Nutzen eines Wechsels auf S/4HANA besteht. Um dies zu beantworten, hält SAP bestimmte Tools für seine Software-Beratungspartner bereit. Damit kann der SAP-Berater ermitteln, welche Auswirkungen eine Migration auf S/4HANA für den SAP-Anwender und seinen Betrieb haben würde. Solche SAP-Beratungspartner sind beispielsweise die CANCOM-Partner SKS und SPV.

CANCOM.info: Könnten Unternehmen theoretisch auf eine Conversion auf S/4HANA verzichten?

Andreas Wiersch: Nicht, wenn sie auch in Zukunft SAP-Anwendungen nutzen möchten. S/4HANA wird, neben der darunter liegenden Datenbank SAP HANA, die künftige Basis sein, um SAP-Anwendungen ausführen zu können. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ohne eine Migration auf S/4HANA beziehungsweise SAP HANA wird eine Nutzung von SAP-Applikationen mittelfristig nicht mehr möglich sein. Unternehmen haben lediglich bis 2027 Zeit, um diese Migration – beispielsweise über eine Conversion – durchzuführen. Danach unterstützt SAP ältere Systeme nur noch, wenn dafür höhere Wartungskosten bezahlt werden. Und das auch lediglich für drei weitere Jahre. So endet 2030 der Support der Altsysteme endgültig.

CANCOM.info: Wie kann CANCOM mittelständische Unternehmen bei der Migration auf S/4HANA nun konkret unterstützen?

Andreas Wiersch: Wir als CANCOM sind seit 20 Jahren SAP-zertifiziert und verfügen über ein eigenes Competence Center mit dedizierten SAP-Experten. Wir können Unternehmen bei Migrationsprozessen, wie eben einer S/4HANA Conversion, umfassend unterstützen – wobei unsere Leistungen speziell auf den Mittelstand ausgerichtet sind. Zunächst analysieren wir die bestehende IT-Umgebung des Kunden und ermitteln, welche Potenziale und Vorteile sich für den Kunden ergeben, wenn dieser auf S/4HANA migriert. Hierzu führen wir beispielsweise den SAP Readiness Check gemeinsam mit dem Kunden und unserem Beratungspartner SPV durch. Dort wird ermittelt, ob die IT des Kunden bereits so aufgestellt ist, dass eine S/4HANA Conversion durchführbar ist. Auf Basis dieser Analyse erstellen wir anschließend eine SAP-Roadmap – also quasi einen Fahrplan für den Wechsel auf S/4HANA.

CANCOM.info: Unterstützt CANCOM Unternehmen auch, nachdem die Migration auf S/4HANA durchgeführt wurde?

Andreas Wiersch: Ja, wir kümmern uns anschließend um das Management und den Betrieb der Infrastruktur sowie den Basisbetrieb von S/4HANA. Über Beratungspartner übernehmen wir auf Wunsch auch das Application Management und den Betrieb moderner SAP-Anwendungen.

CANCOM.info: Welche zentralen Vorteile ergeben sich daraus für Kunden?

Andreas Wiersch: Erstens erhalten Kunden bei uns sämtliche Leistungen aus einer Hand. Dank unserer SAP-zertifizierten Experten können wir, neben Lizenzierungs- und Wartungsthemen, sowohl das Infrastrukturmanagement als auch den Betrieb von S/4HANA vollständig übernehmen – sodass Kunden kein eigenes qualifiziertes Fachpersonal mit SAP-Erfahrung mehr benötigen. Gleichzeitig profitieren sie von einer IT-Kostenflexibilisierung, weil sie beispielsweise kein eigenes Rechenzentrum mehr unterhalten müssen – das mitunter hohe Fixkosten verursacht. Zweitens ermöglichen wir dem SAP-Anwender maximale Wahlfreiheit beim IT-Sourcing: Der Kunde hat dadurch alle Optionen zur Auswahl und kann sich genau für jene entscheiden, die am besten seinen Anforderungen entspricht. Zu den wählbaren Optionen zählt beispielsweise, die Konzipierung und Implementierung im Rechenzentrum durch CANCOM ausführen zu lassen – auch wenn es sich um das Datacenter des Kunden oder eines Dienstleisters handelt. Weitere wichtige Wahlmöglichkeiten bestehen darin, den Betrieb und das Management von S/4HANA an uns auszulagern und dabei entweder auf  CANCOM-Rechenzentren oder Microsoft Azure aus der Public Cloud zurückzugreifen. Alternativ kann der SAP-Anwender S/4HANA im lokalen Rechenzentrum auch selbst betreiben – und die Verwaltung der SAP-Infrastruktur uns überlassen. Bei sämtlichen dieser Optionen gilt: Kunden haben weiterhin die volle Kontrolle über ihr SAP-System, selbst wenn sie Betrieb und Management an uns auslagern.

CANCOM.info: Anfang letzten Jahres hat SAP das Angebot „Rise with SAP“ vorgestellt. Dieses ist hochstandardisiert, Cloud-basiert und soll in Zukunft der neue Standard für den Betrieb von SAP-Anwendungen wie S/4HANA werden. Wie reagieren gerade mittelständische Unternehmen auf diese Entwicklung?

Andreas Wiersch: Viele Kunden warten erstmal ab, weil sie ihre SAP-Umgebung anstatt in der Cloud weiterhin im lokalen Rechenzentrum betreiben oder über einen Dienstleister betreiben lassen möchten. Sie möchten also die Vorteile der bisherigen Situation so lange wie möglich nutzen – zumal nach Einschätzung renommierter Experten längst nicht alle Fragen rund um „Rise with SAP“ geklärt sind.

CANCOM.info: Das heißt folglich, dass Unternehmen die aktuelle Migration auf S/4HANA, zum Beispiel über eine Conversion, nicht in erster Linie nutzen, um für „Rise with SAP“ gewappnet zu sein?

Andreas Wiersch: Nein. Viele unserer Kunden wechseln zwar aktuell auf S/4HANA, aber steigen dann bewusst nicht auf „Rise with SAP“ um. Stattdessen setzen sie, solange das möglich ist, auf On Premise oder lagern Betrieb und Management an uns aus. Entsprechend wäre es wahrscheinlich, dass sie erst auf „Rise with SAP“ umschwenken, wenn ihnen SAP keinen anderen Weg mehr lässt. Dies könnte nach derzeitigen Planungen Ende diesen Jahrzehnts passieren.

Hintergrund zum Experten

Andreas Wiersch ist als Director und Leiter des Competence Center SAP bei CANCOM tätig. Zu seinen Spezialgebieten gehören Cloud Solutions, Hybrid Cloud, Managed Services und Application Hosting auf Basis von SAP.

Vor seiner Tätigkeit bei CANCOM arbeitete er als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Comline AG.

Sie möchten sich zu SAP-Themen wie S/4HANA näher informieren oder wünschen eine unverbindliche Beratung? Dann treten Sie gerne direkt mit Andreas Wiersch in Kontakt. 

Quelle Titelbild: © Rudzhan/stock.adobe.com (modifiziert von CANCOM)

Hier schreibt Christian Schinko für Sie

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